interessant. Als Quelle Beheims weist Güting die handschriftlich erhalteneSchrift ,, De divinacionibus" aus dem 14. Jahrhundert nach, die„ aus dem öster-reichischen Kloster Alderspach"( S. 212) stammen soll. Aber das schöne Zister-zienserkloster Aldersbach liegt doch nach wie vor im Landkreis Vilshofen inNiederbayern, und deshalb sind nach der Aufhebung 1803 die Handschriften indie Bayerische Staatsbibliothek gewandert, auch jene„ De divinacionibus", dieschon der großartige Schmeller gekannt und benützt hat. Bei der AldersbacherHandschrift handelt es sich, wie Güting weiter ausführt, eigentlich um eineBearbeitung des heute so bezeichneten„ Passauer Anonymus". Die internen Ver-bindungen dieser spätmittelalterlichen Aberglaubenslisten sind sehr bemerkenswertund hier verständlich ausgebreitet. Man liest dazu mit Vorteil die Untersuchungvon Alexander Patschovsky, Der Passauer Anonymus. Ein Sammelwerküber Ketzer, Juden, Antichristen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts(= Schriftender Monumenta Germaniae Historica, 22) Stuttgart 1968, ein Buch, das auch fürdie Erzählforschung heranzuziehen wäre.
Von weiteren kleineren Arbeiten ist besonders der„ Bibliographische Abriẞzur bildlichen Darstellung von Sprichwörtern und Redensarten" von dem Sprich-wort- Spezialisten Wolfgang Mieder zu nennen, sowie die Nachrufe aufWilhelm Heiske( Brednich), Otto Basler( Röhrich) und Hans Jän i-chen( Quarthal und Schöck). Der umfangreiche Besprechungsteil muß aus-drücklich genannt werden, da sich zahlreiche umfangreiche, manchmal auchsehr kritische Besprechungen darin finden, die einen sehr guten Überblick vorallem über die Veröffentlichungen zur Volkskunde in Südwestdeutschland in denletzten Jahren bieten. Diese schlicht„ Forschungen und Berichte" genanntenJahrbücher beginnen das publizistische Rückgrat der Volkskunde in Baden-Württemberg zu werden.Leopold Schmidt
Gertrud Stetter, Altbayerisches Leben auf Wening- Stichen.132 Seiten, mit 303 zum Teil doppelseitigen Abb. von Ausschnitten ausWening- Stichen. Rosenheim 1977, Rosenheimer Verlagsanstalt Alfred Förg.DM 29,80.
Ein Buch, das sich sehen lassen kann: Michael Wening, der altbayerischeBildtopograph des frühen 17. Jahrhunderts hat auf seinen zahlreichen Darstellun-gen von bayerischen Stiften, Märkten, Dörfern, Hofmarken usw. wie alle Topo-graphen seiner Zeit auch„ Volk" dargestellt. Meist nur als kleine Randfigürchen,neben den viel stattlicheren Bauernhäusern, Mühlen, Taubenschlägen, Wegkapel-len usw., aber immerhin erkennbar. Gertrud Stetter hat die Ausschnitte aus denWening- Stichen, welche solche bemerkenswerte Einzelheiten zeigen, ausgewählt,gruppenweise angeordnet, und durch einen laufenden Text erläutert.
Das gar nicht kleine Material ist nach einigen zusammenfassenden Stoff-gesichtspunkten angeordnet: Zunächst das Wasser, mit den Brücken und Brun-nen; dann das Verkehrswesen, mit Schiffszügen wie Kopflastträgerinnen; weitersdie Behausung, von der Siedlungsform bis zu Tür und Tor, Eingang und Umfrie-dung; weiters das Adelige Leben, wo auch der Höfische Zeitvertreib, die Jagd,ferner die Zielspiele und sonstige Formen der Geselligkeit zu finden sind; dannder Werktag, von der Hauswirtschaft und der warmen Stube bis zu Maibaum undDorflinde, Wirtshaus und Zeitmaß; und schließlich Glaube und Frömmigkeit,von den Kirchen und Kapellen über die Bildstöcke und Wegkreuze bis zu denWallfahrten. Das ergibt einen ganz beachtlichen Querschnitt, der unsere allge-meine Kenntnis des altbayerischen Volkslebens entschieden erweitert. Mancheswird in diesen Bildchen gezeigt, was allgemeiner Meinung nach immer schondagewesen sein muß. Anderes wieder tritt offenbar in jenen Jahrzehnten erstauf, läßt sich noch als Einfuhrgut der adeligen Oberschicht erkennen. DemScheibenschießen etwa stellt sich das Schießen auf den Vogel auf der Stange
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