Irmgard Gierl, Volkstümliche Malerei nach alten Motiven.Rosenheim 1977, Rosenheimer Verlagshaus Alfred Förg. 208 Seiten, davon16 vierfarbige Kunstdrucktafeln, 229 Abb. mit zwei Schmuckfarben.DM 52,-
Die Veröffentlichungen auf dem Gebiet„ Volkskunst" beginnen allmählicheinem Janushaupt zu ähneln. Während ein Gesicht doch immer noch in dieRichtung„ Seriöse Forschung" schaut, blickt das andere ganz deutlich auf den,, Folklorismus" und spricht andere Käufer- und Benützerkreise an als die For-schung. Das fällt einem bei dem vorliegenden Buch der vielseitigen bayerischenSammlerin Irmgard Gierl ein, die hier eine ziemlich bunte Sammlung von Abbil-dungen von Objekten aus dem Gebiet der alten funktionsgebundenen Volkskunstvorlegt, aber betont deutlich als Anregungsmaterial, als„ Motive für Möbel,Schachteln, Gläser, Hafnerware, Votivbilder und Schießscheiben". Wenn mandie vielen schön abgebildeten Motive durchgeblättert hat, mag man vielleichtmeinen, diese Bilder wären zunächst dagewesen, und dann hätte man darauseben ein Buch machen müssen: Aus Tölzer Kasten und Scheibbser Schießscheiben,aus Gmundner Majoliken und Schweizer Sackdruckstempeln,- denn anderskann man sich eigentlich die Zusammenstellung doch nicht recht erklären. Einigekurze einleitende Kapitel behandeln Möbelmalerei, Schachtelmalerei, Wand-fliesen( es handelt sich um die Marburger Fliesen von J. B. Keppler im dortigenUniversitätsmuseum), Hafnerware und bemalte Gläser. Dazu ergänzende Anga-ben über alte Maltechniken: Kasein, Kleister, Eitempera. Manche knapp zusam-menfassende Sätze in den Einzelabschnitten setzen in Erstaunen, manche be-ruhen auf Zitaten, die leider nicht aufgeschlüsselt werden, weil ein Literatur-verzeichnis fehlt. Und die Motive, von denen schon im Titel die Rede ist, wer-den nicht etwa in einer Art von Motivverzeichnis vorgestellt vielleicht weilsonst die bunte Mischung, in der aber doch viel fehlt, zu deutlich gewordenwäre.
Man muß sich auch vom Standpunkt des in Museen arbeitenden Volks-kunstforschers das Buch schon genauer anschauen. Es ist doch so, daß viel-leicht die Hälfte der gezeigten Stücke in österreichischen Museen steht, vorallem in Linz und in Innsbruck. Das bedingt selbstverständlich eine beträchtlicheEinseitigkeit der Auswahl. Bayern rangiert an sich noch weiter vorn, nicht nurmit München, sondern auch mit vielen kleineren Sammlungen, wie Garmisch-Partenkirchen oder Zwiesel, Berchtesgaden oder Wunsiedel. Ausgriffe nach Bernwie nach Marburg bringen eine etwas ungleichmäßige Ergänzung: Hätte man,wenn man sich sonst schon so sehr auf das bayerisch- oberösterreichische Kern-gebiet stützt, statt der schweizerischen Sackdruckmodel nicht solche aus demInnviertel nehmen sollen? Im Heimatmuseum von Obernberg am Inn hängt eineüberaus stattliche Anzahl solcher bedruckter Mehlsäcke, um nur ein Beispielzu erwähnen.
Es ist nicht leicht, solchen buchtechnisch durchaus schön gemachten Aus-wahlbänden gerecht zu werden. Manchmal wird man sich aber doch fragendürfen, ob man einen derartigen Aufwand nicht gelegentlich auch für ein seriöse-res Buch spendieren könnte.Leopold Schmidt
Torsten Gebhard, Alte Bauernhäuser. Von den Halligen bis zu denAlpen. Verlag Georg D. W. Callwey, München 1977, 195 S. mit 338 ein-farbigen und 10 vierfarbigen Abbildungen.
An das Buch sind zwei Maßstäbe anzulegen. Es zerfällt nämlich in einenBild- und in einen Textteil, für den der Verlag den hervorragenden FachmannTorsten Gebhard gewinnen konnte. Die ihm übertragene Aufgabe war dabeisicher nicht leicht. Einerseits mußte die gewaltige Formfülle an ländlicher Archi-
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