Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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Günther Kapfhammer, St. Leonhard zu Ehren. Vom Patron derPferde, von Wundern und Verehrung, von Leonhardifahrten und Ketten-kirchen. 208 Seiten, davon 8 vierfarbig und 8 schwarzweiße Bildtafeln.Rosenheim 1977, Rosenheimer Verlagshaus Alfred Förg. DM 25,-.

Monographien über die volkstümliche Verehrung von Heiligen sind nichtganz selten. Ihr Gewicht, ihre geistige Bedeutung ist jeweils unterschiedlich, vongroßen bahnbrechenden und faktisch unüberholbaren Leistungen führt die Skalabis zu kleinen Nachlese- Unternehmungen herab.

Die Volksverehrung des hl. Leonhard hätte längst zu einer großen, voll-ständigen Monographie reizen können. Aber die Verhältnisse waren offensicht-lich nicht so. So war man seit 50 Jahren auf das Büchlein von Johann AlbertAich, Leonhard, der große Patron des Volkes(= Kleine historische Mono-graphien, Nr. 14) Wien 1928, angewiesen, das allerdings in seiner Art sehr gut istund bleibt, noch dazu durch die Veröffentlichung Aichs über die eisernen Opfer-gaben von Pflaumloch in Württemberg als quellenkundlich nützlich ausgewiesen.Kapfhammer kennt dieses Buch anscheinend nicht, da er nur das noch kleinereBüchlein von Aich, Der heilige Leonhard(= Lebenschule der Gottesfreunde,Nr. 23) Meitingen 1936, zitiert, das allerdings eher ein frommes Andachts-büchlein darstellt.

Ungefähr auf dem Gerüst Aichs hat Kapfhammer nun dieses Buch auf-gebaut, das seinen Umfang vor allem dem oft seitenlangen Abdruck von älterenQuellenstellen, Schilderungen, auch von Mirakelbuchberichten usw. verdankt.Die freilich wirklich prächtige Schilderung der Tölzer Leonhardsfahrt von Tölzergiebt nicht weniger als 20 Seiten( 103-122). Aber auch die neuere Wallfahrts-volkskunde wird wörtlich verwendet, so alle Leonhards- Gnadenstättenschilderun-gen von Rudolf Kriss in dem letzten Teil des Buches, das alphabetisch, Ortebesonderer Leonhardsverehrung", nämlich in Bayern, aufzählt. Kapfhammer istim wesentlichen dem Schema derartiger Monographien gefolgt: Kurze Beschrei-bung dessen, was wir vom Leben des Heiligen wissen, dann erste Ausbreitung derLeonhardsverehrung, der Wandel vom Patron der Gefangenen zum Patron derPferde, wobei hier wie bei anderen Kapiteln eine Entscheidung über das eigent-liche Problem vermieden wird. Das geht bei Leonhard dem Eisenherren" eben-so; worum es bei der Vereisnung" der Votivgaben einstmals gegangen sein muß,wird nicht berücksichtigt. Und bei den so wichtigen Kettenkirchen" kann sichKapfhammer ja ganz auf die vorzügliche Arbeit von Leopold Kretzen-bacher stützen( Bayerische Akademie der Wissenschaften, Phil.- Hist. Klasse,Abh. N. F. H. 76, München 1973), wiederum, ohne die aufgeworfenen Fragennunmehr selbständig zu beantworten. Selbst bei den vielen dankenswerterweisegebrachten Einzelheiten, Legenden und Sagen beispielsweise, vermeidet Kapfham-mer eine Interpretation, läßt das Material einfach für sich stehen.

Auf diese Weise ist ein für den gewöhnlichen Leser gutes und nützlichesBuch entstanden, das außerdem dank der bekannten Bilderfreudigkeit des Rosen-heimer Verlages auch hübsch illustriert ist. Warum zu den Hirten" wie zu den,, Rössern" eigentlich Schwanthaler- Krippenfiguren verwendet wurden( S. 25 undTaf. bei S. 34), ist nicht recht klar. Durch das Aussparen der Forschungs-geschichte schließlich hat es im 19. Jahrhundert doch beträchtliche Debattenüber die eventuelle heidnische Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnische" Komponente im Leonhardskult gegeben unddurch das immer wieder auffallende Vermeiden von weiterführenden Interpre-tationen wird die Bedeutung des Buches ebenso gemindert wie durch die Be-grenzung auf Altbayern, die schon auf die Zeugnisse der Leonhardsverehrung inSalzburg und Tirol nicht mehr eingeht. Zur Ortsliste wäre auch eine Karteempfehlenswert gewesen, wie zum ganzen Text ein Register. Jene Leonhards-Monographie, die man sich gewünscht hätte, ist das hübsche und an sich inhalts-reiche Buch also noch nicht.Leopold Schmidt

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