Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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Löbl- Schreyer, Südtirol. Fotos von Löbl- Schreyer, Vorwort, Bildlegenden

und Zusammenstellung der Anthologie von Ludwig Merkle. 100 Sei-ten, davon 40 ganzseitige Farbbilder. München 1977, Süddeutscher Verlag.DM 29,80.

Bildbände über Tirol, zumal über Südtirol gibt es immer wieder. Man wirdauch den vorliegenden mit seinen ganz vorzüglichen Farbtafeln gern begrüßen,zumal neben der Landschaft doch die bäuerliche Volkskultur in Erscheinung tritt.Das zeigen nicht nur die zahlreichen Haus- und Siedlungsbilder, sondern auchdiejenigen Aufnahmen, die Volk" ins Bild bringen. Da gibt es also Karten-spieler im Sarntal ebenso wie Teilnehmer an Prozessionen in Kastelruth und aufdem Ritten, und Wein- und Obstbauern ebenso wie einen Grödner Bildschnitzer.Die Reihe der Farbbilder wird von einem Text begleitet, der sich alsAnthologie versteht. Eine Blütenlese aus alten und einigen jüngeren Reisebeschrei-bungen vor allem. Die Tiroler Landesforschung hat das Material dazu seit lan-gem zur Verfügung gestellt, man muß da also nur zugreifen, zu den Zitaten ausFelix Faber oder aus Montaigne, aus Herder und Goethe, aus Schubert, ausBeda Weber, Staffler, Steub, Hörmann und manchen anderen. Bei Goethestehts freilich so, daß die Tagebucheintragung sich noch auf Nordtirol bezieht,und bei dem reisenden Gelehrten" G. H. von Schubert( 1848) möchte man sichdoch an den Kopf greifen, wenn er 1822 schreibt: Schien uns auch da, undvielleicht saẞ der Grobian bloß in uns, ein befremdend grobes Volk bis nachKlausen zu seyn, die Gegend gefiel uns auch nicht sonderlich, und giftigeSchlangen lagen am Wege." Mit den Bildern haben die Texte, nicht nur dieservon dem Geologen Schubert, nichts zu tun, Bilder und Texte erläutern einandernicht. Aber vielleicht sind die Texte nur als beiläufiges Lesefutter gedacht,weil man sich einen wirklich erläuternden durchlaufenden Kommentar nichtleisten konnte oder wollte. Eine Begründung für die merkwürdige Kompositiondes Bandes habe ich jedenfalls nicht gefunden. Leopold Schmidt

Walter Zitzenbacher, Die Gemslein schwarz und braun. AlteBerichte von Gamswild und Gamsjagd. Rosenheim 1977, RosenheimerVerlagshaus Alfred Förg. 144 Seiten, 29 Abb. alter Stiche und 4 Bild-tafeln. DM 19,80.

Der Rosenheimer Verlag bemüht sich weiterhin sehr verdienstvoll umalpine Themen, um kulturhistorisch- volkskundliche Darstellungen, die vom Ge-mälde bis zum Vierzeiler reichen können. Von Wilhelm Leibl, dem der Verlagsoeben eine schöne Monographie gewidmet hat, bis eben zum Lied von den,, Gamslan schwarz und braun". Und der Grazer Walter Zitzenbacher ist wohlgerade der richtige Autor für solche Zusammenstellungen von Wort- und Bild-zeugnissen über derartige Gebiete. In diesem Fall hat er aus der reichhaltigenalten Literatur über das Jagdwild der Alpen zusammengetragen, was einiger-maßen hierher gehört, was einerseits beobachtete Wirklichkeit spiegelt, anderer-seits Phantasiezüge aufweist, oder auch einfach falsche, manchmal vielleichtauch schwankhafte Traditionen enthält. Das gilt nicht zuletzt auch für das Ge-biet der Volksmedizin und die alte Wertschätzung der Gamskugeln", für dieStellen von Adam von Lebenwald wie von Weichard von Valvasor herangezogenwerden. Außer den Bildern aus dem Umkreis des Kaiser Maximilians hätte mansich übrigens einige Gemsendarstellungen in der Volkskunst vorstellen können.Aber vielleicht ist das weiteren ähnlichen Bänden vorbehalten, die hoffentlichauch wieder mit solchen versteckten Köstlichkeiten gewürzt sein werden wiedieses hier mit dem Zitat aus dem sonst so berühmten Johann Amos Comeniusvon 1682 Die Gemse hat gar kleine Hörner: mit denen sie sich an die Stein-klippen hänget."( S. 19).Leopold Schmidt