Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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schließlich in einem sehr knappen Nachwort, S. 173 ff., erörtert, und eine Kon-kordanz der drei Texte beigegeben. Und wie so mancher vor ihm hat er auchdas köstliche dreistufige Farbbild( als Titelbild) beigegeben, das einstmals unterSchröers Aufsicht 1860 entstand.

Die schöne Textausgabe ist im Stuttgarter Verlag Freies Geistesleben" er-schienen, also einem eng mit der Anthroposophie verbundenen Unternehmen.Das ist nur dann verständlich, wenn man weiß, daß Rudolf Steiner, der Begrün-der der Anthroposophie, ein Schüler von Karl Julius Schröer in Wien war, undsich insbesondere für die Oberuferer Spiele so sehr interessierte, daß er siegelegentlich auch in seinen Kreisen zur Aufführung bringen ließ. Das hat eineeigene anthroposophische Spieltradition bis zur Gegenwart ergeben. Über dieseVerhältnisse kann man sich jetzt in der Arbeit von Erwin Streitfeld ,, KarlJulius Schröer( 1825-1900). Leben und Werk"( Güssinger Begegnung 1975.Eisenstadt 1976. S. 47 ff.) unterrichten. Im gleichen Vortragsbändchen hat sichauch Franz Probst, der vielseitige burgenländische Literarhistoriker, über Rudolf Steiner und die Oberuferer Spiele"( S. 67 ff.) geäußert. Diese undweitere neuere Literatur ist übrigens von Sembdner nicht berücksichtigt, oderzumindest in seinem Nachwort doch nicht zitiert worden.

Leopold Schmidt

Hiltraud Ast, Die Kalkbrenner am Ostrand der Alpen. Bei-träge zur Volkskunde, Wirtschafts- und Sozialgeschichte Niederösterreichs= Niederösterreichische Volkskunde, Bd. 9) Querformat, 128 Seiten,12 Farbtafeln, mehreren Abb. im Text und 1 Karte. Gutenstein 1977, Ge-sellschaft der Freunde Gutensteins und Perlach- Verlag Augsburg( Joh.Walch, Im Gries 6).

Von einem einzigen Ort aus kulturhistorische Volkskunde zu betreiben, istsicherlich nicht leicht. Bei manchen Orten freilich lohnt es sich, und fraglosgehört Gutenstein in Niederösterreich zu diesen. Die Bergbauerngegend mit deralten adeligen Herrschaft, mit den verschiedenen der Landschaft eigenen Be-trieben, mit der bedeutenden Wallfahrt, aber auch mit den Biedermeier- Villen,deren eine die letzte Heimstätte von Ferdinand Raimund war, das ergibt zusam-men eben sehr viel. Dies alles und die dauernden regen Beziehungen zu Wien,sowohl in wirtschaftlicher wie in künstlerischer Hinsicht haben es mit sichgebracht, daß man aus diesem Ort heraus immer wieder Erstaunliches publizierenkann, wenn man sich eben wirklich eingehend damit beschäftigt.

Das war und ist bei dem Ehepaar Hiltraud und Wilhelm Ast der Fall, diesich seit ihrer Gründung des köstlichen kleinen Museums in der Alten Hof-mühle" von Gutenstein immer mehr in die Probleme dieser Landschaft ver-tieften. Nach dem Katalog dieses Museums, das sich mit dem Holz und dembäuerlichen Nebengewerbe im Schneeberggebiet" beschäftigt( 1965) folgten dieStudien zum alten Köhlerwesen: Holzkohle und Eisen. Beiträge zur Volks-kunde, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Raumes um Gutenstein", die alsBd. 6 der Reihe Niederösterreichische Volkskunde" 1970 erscheinen konnten.Damals griffen die Verfasser Hiltraud und Wilhelm Ast und Ernst Katzer auchzuerst zu dem Mittel der Erschließung und Auswertung alter Bildzeugnisse. Dievon Rupert Feuchtmüller gestaltete Biedermeier- Ausstellung in Gutenstein hattedafür die Augen geöffnet. Als Wilhelm Ast dann starb, widmete ihm das Nieder-österreichische Landesmuseum pietätvoll eine Gedächtnisausstellung Winter-arbeit der Waldbauern", Katalog Wien 1976. Hiltraud Ast aber hatte schon be-gonnen, für ein zweites landschaftlich wichtiges Thema das Material zu sammeln,nämlich für die alte Kalkbrennerei. Kennern der Biedermeiermalerei war es schonlängst aufgefallen, daß Maler wie Gauermann oder Waldmüller diese merk-würdigen Bauern- Kalköfen im Wienerwald gemalt hatten. Frau Ast trug nun

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