Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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Ersten Weltkrieg üblich. Von der österreichischen Armee ist es wiederholtberichtet worden, immer mit der charakteristischen Wendung, daß der Korporal,wenn er feststellte, daß einige einzuschlafen begannen, schnell Fleisch" rief,worauf die Zuhörer Bañ(= Bein) zu antworten hatten. Wer es nicht mehr tat,bekam eine mehr oder minder scherzhafte Strafe zu spüren. Über die dichteTradition des Erzählens der Frauen in Spinnstuben, beim Kukuruzschälen usw.sind wir doch recht gut unterrichtet, so daß hier längst von der Allgemeinüber-lieferung seit dem Spätmittelalter auch literarisch wohlbekannt- zu denjeweiligen Einzelfällen hingewiesen werden könnte. Aber Haiding waren undsind seine Erzähler eher persönlich wichtig, und wem sie nicht ebenso bedeutsamerscheinen, der bekommt seine herbe Kritik zu lesen, vor allem in dem Schluß-kapitel Vom Sammeln und Erforschen des burgenländischen Erzählgutes". Aberman kann auch diese Dinge eben von verschiedenen Seiten her sehen.

Wir sind jedenfalls froh, daß diese schön ausgestattete Auswahlsammlungzustandegekommen ist, deren Bedeutung vor allem für das Burgenland doch großist. Daß diese Arbeiten von Haiding gewürdigt werden, daß etwa seine Märchenund Schwänke aus Oberösterreich"( Berlin 1969) Anklang gefunden haben, zeigtsich jetzt auf eine ganz besonders bemerkenswerte Weise. Der Band ist nämlichvon einem japanischen Kollegen übersetzt worden. Der schöne Band ist in einerjapanischen Märchenreihe als Band 6 erschienen, und da er kein nichtjapani-sches Wort enthält, kann man ihn eigentlich nur erkennen, wenn man das BildHaidings am Schluß des Bandes, der ja wohl eigentlich der Anfang ist, auf-schlägt. Zu dieser Überraschung möchten wir Haiding herzlich gratulieren.Leopold Schmidt

Die Oberuferer Weihnachtsspiele im Urtext. Karl Julius Schröers Fassungvon 1858 in Verbindung mit der Andauer Handschrift und dem anonymenErstdruck von 1693. Herausgegeben von Helmuth Sembdner.184 Seiten, Titelbild. Stuttgart, Verlag Freies Geistesleben. DM 24,-.Die Texte der in Oberufer bei Preßburg zuerst aufgefundenen Schauspielesind wohl am öftesten von allen verwandten volkstümlichen Weihnachtsspielenveröffentlicht worden. Nach dem Büchlein Deutsche Weihnachtsspiele ausUngern" von Karl Julius Schröer, 1858, haben sich mindestens ein DutzendHerausgeber daran versucht. Die meisten haben freilich für Neuaufführungenden Schröer'schen Text neuabgedruckt, manchmal etwas geglättet und spielbarergemacht. Auch rein bibliophile Ausgaben finden sich darunter.

Der vorliegende Band, von einem befugten Germanisten gemacht, legtwieder den Schröer'schen Text vor, versucht aber, diesen Text durch den Rück-griff auf Versfassungen in den Anmerkungen und in anderen Handschriftenetwas originaler zu gestalten. Jeder Zugriff ist dabei genau als Textanmerkunggerechtfertigt. Diesem Haupttext ist der Text der Handschrift von Andau imBurgenland zur Seite gestellt, den Karl Horak einstmals gefunden und 1940in seinem schönen Buch Burgenländische Volksschauspiele" veröffentlicht hat.Andau liegt nämlich im Burgenland, der Verweis Andau( Niederösterreich)",S. 83, geht vermutlich auf die Zeit zurück( 1939 bis 1945), in der das nördlicheBurgenland an Niederösterreich angegliedert war. Der Andauer Text ist tatsäch-lich in mancher Hinsicht wichtiger als der von Schröer gebrachte Oberuferer, dascheint eine barocke Schriftfassung noch stärker durch. Es ist aber nicht diegedruckte Fassung von 1693, die Johannes Bolte einstmals entdeckte und1926 auch veröffentlichte, im Anhang zu seinem selten gewordenen Buch ,, Dreimärkische Weihnachtsspiele"( S. 177 ff.), wo es der Unkundige wirklich nichtsuchen würde. Sembdner ist hier auf den schmalen Druck von 1693 in derPreußischen Staatsbibliothek zurückgegangen und hat ihn faksimilieren lassen,was selbstverständlich sehr zu begrüßen ist. Die ganzen Verhältnisse hat er

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