vaten Bereich wird der Osterbaum etwa seit 1960 hergerichtet. DieAnregung dazu dürfte einerseits von Lehranstalten für Frauenberufe ¹)und Kindergärten, zum anderen aus Zeitschriften stammen. Das sindjedoch nur Vermutungen. Interessant ist die Tatsache, daß diese Sittewiederum sofort kommerzialisiert wurde. Soweit es zu überblicken ist,wurden die Eier nämlich zunächst in eigenschöpferischer Betätigungausgeblasen und verziert. Das Bedürfnis mußte nicht erst geschaffenwerden, hat sich durch den Handel aber ohne Frage sehr gesteigert.Jedenfalls wurde aus dem Verkauf von Eiern für den Osterbaum einflorierendes Geschäft, hinter dem zum Teil das künstlerische Haus-gewerbe, zum Teil bereits auch die Industrie steckt, der wir die ver-schiedenen künstlichen„ Eier" verdanken. Plastik ist eben nirgendsaufzuhalten.( Auf die verschiedenen Arten und die Möglichkeiten derVerzierung soll hier nicht eingegangen werden.) Im Zuge der Vermark-tung beobachtet man aber bereits ein Anwachsen des Formenschatzes.Neben oder sogar an Stelle von Eiern werden auch kleine„, Hender!",„ Osterhaser” etc. auf die Zweige gehängt, die nicht nur von derSalweide, sondern auch von Birken oder Forsythiensträuchern genom-men werden. Als Ausweitung der Sitte kann man beobachten, daß dieOsterbäume in jüngster Zeit als Schmuck auch in den kirchlichen Be-reich Eingang finden 2). Das vielfältige Angebot bewirkt, daß neuer-dings wieder eine verstärkte Sammeltätigkeit von Eiern einsetzt. Fin-dige Versandhäuser bieten die Eier daher in„ Sets” an und lieferndazu die entsprechende Erklärung:
„ Der frühlingsfrische Osterstrauß aus grünen Zweigen, mit demSie nach altem Brauch daheim Ihre Lieben zum Osterfest erfreuen,wird noch schöner, wenn Sie ihn mit bunten Ostereiern behängen.Nicht nur Kinder erfreuen sich daran, wenn diese mit den Farbender ersten Frühlingsblumen wetteifern. Was Sie aber sicherlichnicht wissen, ist, daß dieser Brauch auch im fernen China geübtwird. Dort gilt das Ei als Symbol der Fruchtbarkeit, als Sinnbilddes Werdens und Wachsens, an dem sich die Menschheit im Früh-ling erfreut..." ³)
Wohl nicht nur dort. Wer sich genauer über den Bedeutungs-inhalt informieren will, sei nur auf das Handwörterbuch des deutschenAberglaubens verwiesen, wo man unter dem Stichwort Ei 25 verschie-
1) Von einer Bekannten erfuhr ich, daß sie die Anregung von der Frauen-oberschule in Linz mitnahm, als 1958 anläßlich einer Maturaaufgabe einOstertisch mit einem Osterbaum geschmückt wurde.
2) Vor ca. 5 Jahren wurde die Kellerkirche in Wien V, Margaretenstraßemit ausgeblasenen Eiern verziert, 1977 durften die Kinder selbstverfertigte Eierin die neue Wotruba- Kirche( Wien- Mauer) bringen und auf bereitgestellte Zweigehängen.
3) Katalog des Geschenk- Versandhauses Heinrich Heine, Salzburg- Hof,Kat. Ŏ2/ 77.
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