frühen 16. Jahrhunderts und den mehr der Stimmung von Landschafts-bildern dienenden Einbeziehungen von Bildstöcken in Kompositionendes mittleren und späten 16. Jahrhunderts, wie sie vor allem die Nie-derlande hervorgebracht haben. In beiden Fällen schwingt etwas voneinem gewissen Nichtzurkenntnisnehmen der Reformation mit. DerHolzschnitt mit dem hl. Eusebius von Viktorsberg unterstreicht dasZurückgreifen auf das Mittelalter besonders deutlich. Man glaubt jaauch formal noch die Darstellungsart wie in der„, Weltchronik" vonHartmann Schedel vor sich zu haben, oder die des Wegweiserbild-stockes im ,, Narrenschiff" des Sebastian Brandt. Das mag freilich auchdie Tradition der Holzschneider mitbewirkt haben.
Mit der Reformation hören für etwa dreißig Jahre die Bildzeug-nisse für den Bildstock auf. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts stellensie sich dann wieder ein, recht spärlich, und wohl auch in anderen Zu-sammenhängen. Das berühmteste Bildzeugnis der nordischen Spät-renaissance ist wohl das Bild der„ Heuernte" von Pieter Bruegel, dasJuni- Bild von 1565 16). Da steht ein einfacher hölzerner Bildstock,schlank, braun, und doch unübersehbar fast genau in der Bildmitte amRand des Weges, den die kräftigen Heumäherinnen dahinschreiten. Imspitzgiebligen Heiligenhäuschen glaubt man die Figur einer Madonnamit Kind erkennen zu können. Zwanzig Jahre später hat ein andererNiederländer, Lucas van Valckenborch, eine„ Herbstlandschaft mitWeinlese" gemalt, 1585. Fast in der Bildmitte an der unteren Grenzedes Weinberges rechts, steht ein Wegkreuz, das vielleicht als Grenz-zeichen gelten mag 17). Es ist offenbar ein großes Holzkreuz, das unsmöglicherweise den Rücken, und den Weingärten den Leib des Ge-kreuzigten weist. Solche in große Kompositionen eingestreute Bild-stock- und Wegkreuz- Darstellungen mag es in größerer Zahl geben.Man kann sie nur auf den Abbildungen der Kunstwerke kaum jemalserkennen, und die Zahl der Originale, die man durchzuarbeiten ver-mag, bleibt doch immer begrenzt. Ein Beispiel dafür bietet jedenfallsdie ,, Gebirgslandschaft" von Paul Bril, um 1590. Da führt eine Straßeauf eine Brücke zu, die sich über einen Abgrund spannt. Es kommtdann links eine größere Wegkapelle 18). Im weiteren Verlauf kommtdie Straße an einem kleinen Felsen links vorbei, auf dem ein Wegkreuzsteht. Die Bildbezeugung ist sicher deutlich, aber die Darstellung desNiederländers meint wohl eine italienische Landschaft, vielleicht bei
16) Fritz Novotny, Die Monatsbilder Pieter Bruegels d. Ä.(= Kunst-denkmäler, H. 4), Wien 1948. Taf. 19.
17) Katalog der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums,II. Teil, Wien 1958, S. 138, Nr. 386.
18) Horst Vey und Annemarie Kesting, Katalog der niederländischenGemälde von 1550 bis 1800 im Wallraf- Richartz- Museum(= Kataloge desWallraf- Richartz- Museums Bd. III) Köln 1967. Nr. 3178, Abb. 25.
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