Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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Heiligenlegenden am Ende des 16. Jahrhunderts. Da hat der katho-lische Volks- und Erbauungsschriftsteller Johann Georg Tribianus( ca. 1541-1611/ 12) aus Überlingen am Bodensee bei LeonhardStraub in Konstanz eine bemerkenswerte Broschüre erscheinen lassen,welche den Titel trägt: Memorial Oder Gedenckzedel: Von der ForchtGottesbesonders aber vom Sabbath/ Feyrabendt/ Sonn/ und Fest-taegen nach Goettlicher und Christenlicher Kirchen Eynsatzung undOrdnung recht und wohlzuhalten: auch von Straff der Veraechtersolcher heiliger gebottner Zeytten und Tägen. Mit vermeldung etwel-cher namhaffter/ und diser zeyt schier vergeßner/ oder unbekandterHistorien Miracklen oder Wunderzeichen/ so sich in diesem Fallzugetragen" 15 a). Den Beginn dieses Ermahntraktates über die Feier-abend- Heiligung bildet die Legende vom hl. Eusebius vom Viktors-berg, also eines Einsiedlers unbekannter Zeitstellung, der die Bauernvon Brederis ermahnt haben soll, am Feiertag nicht zu arbeiten, unddeswegen von einem dortigen Bauern mit der Sense enthauptet wordensein soll 15 b). An der Stelle seines Märtyrertodes soll ein Bildstock er-richtet worden sein, oder nach anderer Version, an dieser Stelle sollsich schon ein der hl. Anna gewidmeter Bildstock befunden haben.Der Broschüre von Tibianus aus dem Jahre 1598 ist jedenfalls einHolzschnitt beigegeben, der den Heiligen bei dem Bildstock knieendzeigt, gerade in jenem Augenblick, in dem ihm der Bauer mit derSense den Kopf abschlägt. In der rechts anschließenden simultan ge-zeigten Szene geht der Heilige als Kephalophoros, mit dem abgeschlage-nen Haupt in den Händen dem Viktorsberg zu. Der Bildstock ist alsspätgotischer Tabernakelstock dargestellt, im Bildfeld ist mit knappenZügen das Bild einer stehenden Heiligen, vermutlich der hl. Anna an-gedeutet. Die Komposition stellt also einen krassen Anachronismusdar: der frühgeschichtliche Heilige vor dem spätgotischen Bildstockund die frühbarocke Darstellung des Kephalophoren ergibt zusammenschon ein merkwürdiges Bild, ungefähr der Illustration eines frühenVolksbuches entsprechend. Aber der Bildstock ist hier offenbar ganzim Widerspruch zu diesem Anachronismus als Zeugnis der Wahrheitdes Geschehens wiedergegeben; von seinem Vorhandensein mochtensich die Wallfahrer zum Viktorsberg überzeugen können.

Die Darstellung auf dem Holzschnitt bei Tibianus 1598 steht alsozwischen den aussagekräftigen wirklichkeitsnahen Kunstwerken des

15a) Viktor Wratzfeld, Eusebius vom Viktorsberg. GeschichteLegende Kult. Ein Beitrag zur Geschichte der Heiligen Vorarlbergs(= Schrif-ten zur Vorarlberger Landeskunde, Bd. 11) Dornbirn 1975. S. 63 ff., und dazuAbb. 5.

15 b) Leopold Schmidt, Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos(= Veröffentlichungen des Österreichischen Museums für Volkskunde, Bd. 1),Wien 1952. S. 171 ff.

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