Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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Der im Bild dargestellte Bildstock gehört wohl deutlich dem 15. Jahr-hundert an, der Maler könnte ihn gesehen haben. Es muß aber garnicht sein, möglicherweise hat er ihn nur nach Angaben, nach Schil-derungen dargestellt, da es sich ja wieder um keine Abbildung derWirklichkeit, sondern um das Zeichen, das Sinnbild der durch den Toddes Bischofs geweihten Stelle handelte.

Immerhin, das Votivbild von Herzogenburg von 1497 steht durch-aus schon an jener Zeitgrenze zwischen Mittelalter und Früher Neu-zeit, von der an Darstellungen von Bildstöcken mit einer gewissen An-näherung an die Wirklichkeit möglich geworden waren. Sie lassen sichin den letzten Jahren des 15. Jahrhunderts schon einigermaßen verfol-gen. Zeitlich am Beginn steht wohl die zierliche Darstellung im Haus-buch der Fürsten Waldburg. Dort ist auf einem Blatt eine Hirschhetz-jagd gezeigt, im Mittelgrund steht an der Straße vor den aufgespanntenJagdnetzen ein steinerner Tabernakelbildstock, und neben ihm zweiSteinkreuze 4). Das ist für die Jahre um 1480 eine schöne, bereits sehrreal anmutende Bezeugung. Als wirklichkeitsnahe wird man auch dieDarstellung eines gleichfalls steinernen Tabernakelbildstockes in der,, Weltchronik" von Hartmann Schedel anschauen dürfen, die 1493 inNürnberg erschienen ist. Der mit einem Relief der Kreuzigung Christimit zwei Assistenzfiguren ausgestattete Bildstock steht hier vor denToren der Stadt Nürnberg, was auch durchaus der Wirklichkeit ent-sprechen kann 5). Ein sehr ähnlicher Bildstock findet sich dann schonim nächsten Jahr, 1494 auf einem Holzschnitt in Sebastian Brandts,, Narrenschiff" abgebildet. Aber dieser Bildstock weist zusätzlich nocheine ausgestreckte Hand auf, ist also gleichzeitig ein Wegweiser, wasauch durch den Text gefordert wird, der zu dem Bild besagt

Wer zeygen duet eyn guete stroẞUnd blibt er jn dem pfütz vnd moẞ,Der ist der synn vnd wißheit bloẞ. 6)

Der Narr, der also Wegweiser spielen will, und selbst nicht aus demSumpf auf den rechten Weg findet, wird durch Vers und Bild ver-spottet. Dabei mag es übrigens solche Wegweiser- Bildstöcke auch

4) Johann Graf Waldburg- Wolfegg, Das mittelalterliche Haus-buch. Betrachtungen vor einer Bilderhandschrift(= Bilder aus deutscher Vergan-genheit, Bd. 8) München 1957. Taf. I, Abb. 23 auf S. 29.

5) Elisabeth Rücker, Die Schedelsche Weltchronik, das größte Buch-unternehmen der Dürer- Zeit(- Bilder aus deutscher Vergangenheit, Bd. 33),München 1973. Abb. S. 106, Kat.-Nr. 21.

6) Die Holzschnitte zu Sebastian Brandts Narrenschiff. Hg. Man-fred Lemmer(= Insel- Bücherei Nr. 593) S. 21.

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