Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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die Anbetung des Christkindes durch Scharen von kleinen Engelnund im Weihnachtshüttchen kniet ebenfalls anbetend die hl. Maria.Dahinter sind die freien Felder dargestellt, auf denen die Verkündi-gung an die Hirten stattfindet, und an dem Weg durch diese Feldersteht klein, aber unverkennbar ein gotischer Bildstock. Kein so auf-wendiges Stück wie die Lichtsäulen der flämischen Maler, sondern einschlichter Stock mit betontem Tabernakel- Aufsatz. Auch diese Dar-stellung gewiß anachronistisch, aber der Wirklichkeit in Altbayern zurZeit der Entstehung des Altares vermutlich nahestehend. Vielleicht hatdie Pollinger Tafel mit den Graphiken, den Kupferstichen des 15. Jahr-hunderts etwas zu tun, die hier noch als weitere Bildbelege heranzuzie-hen sein werden. Die Darstellung des Bildstockes im, Hausbuch" derFürsten Waldburg käme jener auf der Pollinger Tafel wohl am näch-sten. Aber das, Hausbuch" wird um etwa vierzig Jahre später als dieTafel angesetzt. Es fehlen uns also wohl Verbindungsglieder, die alsmögliche Vorlagen für den Meister des Pollinger Altares hätten dienenkönnen. Aber all das kann doch den Eindruck nicht verwischen, daßes in der Mitte des 15. Jahrhunderts nicht nur solche einfache gotischeTabernakelpfeiler schon gegeben hat, sondern daß sie mitunter vonMalern der Zeit schon zur Kenntnis genommen wurden. Dafür hat sichein anderes, nicht minder merkwürdiges Bildzeugnis ergeben, daswiederum in seiner Eigenart interpretiert werden muß.

Das einzigartige Zeugnis der Kenntnisnahme des gotischen Bild-stockes der Blütezeit durch einen zeitgenössischen Maler hatte jahr-zehntelang kein Gegenstück. Das nächste Bildzeugnis, das hier anzu-reihen wäre, zeigt bereits einen durchaus realen christlichen Bildstock,der seinem Darstellungsbezug nach freilich auch anachronistisch ist.Es handelt sich um die Votivtafel des Propstes Georg II. Eisler vonHerzogenburg ³). Der rechts im Bild knieende Propst mit seinem Kon-vent ist bezogen auf den im Bilde viel größeren Bischof Ulrich vonPassau, Graf von Tirol, den Gründer des Stiftes Herzogenburg. Ihm zuEhren hat also der Propst 1497 die Tafel malen lassen. Sie stellt aberden Stifter an einem steinernen Bildstock stehend vor, der eine Kreu-zigungsgruppe im Tabernakel aufweist, und an sich die Stelle bezeich-net, an der jener damals schon einhundertfünfjährige Bischof bei seinerRückkehr nach einer Romreise im Jahr 1112 gestorben sein soll. DieAnsicht von Passau im Hintergrund unterstreicht die örtliche Bestim-mung. Nun ist der im Bild dargestellte Bildstock selbstverständlichnicht im Jahr 1112 errichtet worden. Ein früheres Zeichen, vielleichtein Steinkreuz, könnte es dort im 12. Jahrhundert gegeben haben.

3) Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog. 1955.Nr. 57 und Abb. 4.

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Dazu der Katalog: Gotik in Österreich. Krems 1959. Nr. 42.