Jahrgang 
82 (1979) / N.S. 33
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Bei einem großen Kenner des Gebietes, der jahrzehntelang das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum geleitet hat, steht von vornherein fest, daß es sich umein gutes Buch handelt, um einen anschaulichen Text, der durch überaus reicheBildbeigaben vorteilhaft ergänzt wird. Daß bei Schlee das nord- und nordwest-deutsche Volkskunstgebiet mitunter stärker betont erscheint als das übrige, ist be-greiflich. Daß Österreich, die Schweiz und das Elsaß ausgeschlossen sind, ist heutigePolitik.

Schlee versucht zunächst die Arten" der Volkskunst zu umschreiben, woraufauch seine folgende Übersicht über die Volkskunstliteratur in Deutschland eingeht.Die Museen sind begreiflicherweise gut berücksichtigt. Dann geht es an die Arbeit:Wo findet sich eigentlich diese Volkskunst? Nun, zunächst als ,, Schmuck desHauses", wobei, wenn man das immer berücksichtigen würde, viele Landschaftenrecht schlecht wegkommen würden. Daher auch der bald eingeschlagene Weg ins,, Innere der Häuser". Da werden die Stuben und die Möbel ausführlich beschrieben,vielbehandelte Themen wie Zusammenhänge von Möbelgestalt und Möbelmalerei,Unterschiedlichkeit von Schrank und Truhe kommen zur Geltung. An die Stühle unddas Kleinmöbel schließt das noch kleinere ,, Hölzerne Gerät an, die aufmerksameSammelarbeit von Gertrud Benker war da offenbar nicht ohne Einfluß. Ein Blickzu den bemalten Spanschachteln hinüber zeigt, wie man diese im Hauswerk, in derHeimarbeit bemalten Kleinbehälter doch in so einer allgemeinen Übersicht nurschwer unterbringt. Viel schwieriger freilich ist dann der Weg zu den BemaltenGläsern", wo immer wieder das schöne, reichhaltige Werk von Franz Lipp anre-gend gewirkt haben muß. Es folgen die, Metalle", über welche die Volkskunstdar-stellungen meist wenig auszusagen wissen, dann endlich die Keramik, die samm-lungsgeschichtlich doch ein Hauptgebiet darstellt. Die Fülle läßt sich hier offenbarnur schwer bewältigen, das schlichte Gebrauchsgeschirr, etwa die Schwarzhafner-ware, tritt dem dekorierten Prunkgeschirr gegenüber in den Hintergrund.

Das große Kapitel der Textilien ist aufschlußreich für manche Einzelfragen,führt aber nicht etwa zu den Trachten hinüber, die ausgeschlossen bleiben. Der,, Trachtenschmuck" dagegen ist wieder ausführlich behandelt, schließlich ist in denletzten Jahren die Literatur darüber angewachsen, und das stattliche Werk vonGislind Ritz ist soeben erschienen. Ein verdienstvolles, stoffreiches Kapitel ist der,, Religiösen Volkskunst" gewidmet, was bei der Fülle der bayerischen Veröffent-lichungen gerade darüber nicht wunder nimmt. Unter Allerlei Volkskunst" findensich schließlich Schützenscheiben neben Nußknackern, Schattenrisse neben Mario-netten, kurz, man kann sich hier zumindest noch einen kurzen Überblick über dievielen sonst nur knapp angeschnittenen Gebiete machen. Im Schlußabschnitt über..Volkskunst als Kunst" betont Schlee noch einmal, daß er die Volkskunst als einehistorisch eingegrenzte Erscheinung betrachte. Das steht im Gegensatz zu vielenanderen Betrachtern, die im Gegenteil ,, Volkskunst auf den verschiedensten zeit-lichen Ebenen zu finden geglaubt haben, und die ihr innewohnenden Tendenzen alsungeschichtlich, als zeitlos verstanden wissen wollten. Das sagte schließlich auchHans Karlinger, dem ein gedankenvoller Schlußsatz des Buches gilt.

Anmerkungen und ein ausführlicher Katalog zu den Abbildungen sowie einausführliches Literaturverzeichnis beschließen den Band, der sicherlich eine beson-dere Stellung in der Geschichte der Volkskunstforschung einnehmen wird.

Leopold Schmidt

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