Jahrgang 
82 (1979) / N.S. 33
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Chronik der Volkskunde

Figural bemalte Bauernmöbel in Oberösterreich

Franz Lipp, Direktor des Oberösterreichischen Landesmuseums und Vize-präsident unseres Vereines für Volkskunde, hat am 22. Juli 1978 seinen 65. Geburts-tag gefeiert. Zu diesem Anlaß hat ihm der Verein eine umfangreiche Festschrift ge-widmet, die ihm in Anwesenheit des Herrn Landeshauptmannes von Oberösterreicham 28. November 1978 in Linz überreicht werden konnte.¹)

Franz Lipp hat aber zu diesem Termin sich auch gewissermaßen selbst eineFeier bereitet. Er hat nämlich einen großen Teil der von ihm gesammelten oberöster-reichischen Bauernmöbel im Denkmalhof Sumerauer des OberösterreichischenFreilichtmuseums in St. Florian- Samesleiten untergebracht und gewissermaßen zurEröffnung dieser Außenstelle eine Ausstellung ,, Figural bemalte Bauernmöbel, vor-nehmlich aus Oberösterreich" bewerkstelligt, zu der auch ein kleiner, aber gut aus-gestatteter Katalog erschienen ist.²) Während die große Allgemeinheit der Sammlerund Händler bei den ,, Bauernmöbeln meist an ornamental und floral bemalteMöbel denkt, ist also hier das Gewicht auf die figurale Bemalung gelegt. Die Aus-stellung zeigt, wie stark dieses Element gewesen ist, und welche Quellen für die figu-ralen Motive in Betracht kommen. Lipp weist auf die anregende Kraft der Intarsiahin, welche schon früh figurale Elemente am Möbel zur Geltung bringen konnte. Im17. Jahrhundert sind jedenfalls schon ab und zu tierische und menschliche Figurenauf Möbeln nachzuweisen. Aber erst die Mitte des 18. Jahrhunderts hat dannMenschendarstellungen, Reiterfiguren und anderes in größerer Zahl gebracht. Tür-kenmotive haben hier offenbar mit anregend gewirkt. Eine Gruppe für sich bildenselbstverständlich die religiösen Darstellungen, die Wallfahrtsmadonnen und heili-gen Namenspatrone. Die Vorlagen sind zum größten Teil wohl in der Graphik zusuchen, von den Spielkarten bis zu den kleinen Andachtsbildern. Dieser Einfluß wirdbei den Möbeln mit aufgeklebten kolorierten Stichen besonders deutlich.

Die Ursachen der weitgehend verschiedenen Formen der figuralen Dar-stellungen in den einzelnen Werkstätten lassen sich bis jetzt kaum feststellen.Von den bunten Möbeln in der Umgebung von Wels mit ihren Dreifaltigkeits- undPestheiligendarstellungen beispielsweise gibt es gar keine Verbindung zu den an sichgar nicht weit entfernten Möbeln des mittleren Ybbstales mit ihren kleinfigurigenHochzeitsszenen. Daß die Innviertler Möbel mit ihren bayerischen Königsporträts

¹) Volkskultur. Mensch und Sachwelt. Festschrift für Franz C. Lipp zum65. Geburtstag. Geleitet von Klaus Beitl und Franz J. Grieshofer.(= Sonder-schriften des Vereines für Volkskunde, Bd. 3) Wien 1978.

2) Franz C. Lipp, Figural bemalte Bauernmöbel, vornehmlich aus Ober-österreich. Katalog der gleichnamigen Ausstellung(= Katalog des Oberösterreichi-schen Landesmuseums Nr. 100, Nr. 12 der Volkskunde- Abteilung). Linz 1978.

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