Leo Frobenius, Schwarze Sonne Afrika. Mythen, Märchen und Magie. Hg.Ulf Diederichs, 384 Seiten, Köln- Düsseldorf 1980, Eugen Diederichs Ver-lag, DM 29,80.
Die folgenden Zeilen sollen nur ein Hinweis darauf sein, welche Möglichkeitender Beobachtung des Märchens im„ Schwarzen Erdteil" heute auch für uns beste-hen. Die Sammlungen, von denen wiederum der Verlag Eugen Diederichs einesolche Anzahl vorlegt, sind doch jedesmal als Querschnitte gedacht, wobei die ein-zelnen Bände manchmal das Erzählgut von Stämmen oder Stammesgruppen,manchmal auch von Staatsbevölkerung darbieten. Daß der Verlag ein gewissesGewicht darauflegt, derzeit aktuelle Länder oder Landstriche auf diese Weise reprä-sentiert zu bekommen, ist immer wieder spürbar.
Einen Gesamtüberblick versucht Ulf Diederichs durch den Auswahlbandaus dem zwölfbändigen Atlantis- Werk von Leo Frobenius zu geben. Frobeniushat auf seine Weise Afrika neu entdeckt. Ein Feldforscher wie kaum ein zweiter, einkulturhistorisch- kulturgeographisch denkender Entschlüssler alten Mythenwesenshat Frobenius von seinen drei mächtigen Bänden„ Und Afrika sprach“ 1912/13 biszum letzten„ Atlantis"-Band 1928 das alte Erzählgut Afrikas gesammelt und geord-net, so daß heute noch ein großer Teil der Forschung darauf basiert. Der Auswahl-band„ Schwarze Sonne Afrika“ versucht einen großen Querschnitt zu geben, miteinem halben oder auch einem ganzen Dutzend von Erzählungen aus jedem land-schaftlichen oder stammheitlichen Komplex. Eine Übersicht der west- und mittel-afrikanischen Staaten ermöglicht die Einordnung dieses Sammelgutes in die heuti-gen politischen Landschaften.
Märchen der Weltliteratur. Neue Bände mit Schwerpunkt Afrika, Köln- Düssel-dorf 1980, Eugen Diederichs Verlag.
Die über Frobenius hinausführenden Ergänzungen durch neue Sammler sinddurch vier neue Bände der großen Serie gegeben. Andreas und Waltraud Kronen-berg haben darin die„ Nubischen Märchen" herausgegeben, Almut Seiler- Die-trich die„ Märchen der Bantu“, Ulla Schild„ Westafrikanische Märchen", undSigrid Schmidt legt„ Märchen aus Namibia", also aus dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika vor. Während die Auswahl aus Frobenius unkommentiert dargebo-ten wird, enthalten die vier Bände der„ Märchen der Weltliteratur" wie immer infor-mierende Nachworte und Typenverzeichnisse.
Gert Chesi, Susanne Wenger. Ein Leben mit den Göttern. Großfor-mat 256 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Schwaz 1980, Perlinger Verlag.
Mit dem Buch über die Wiener Künstlerin Susanne Wenger, die sich seit Jahr-zehnten bei den Yoruba aufhält, kehrt man eigentlich wieder zu Frobenius zurück.Nicht zu dem Sammler, sondern zu dem Mythendeuter. Denn Susanne Wenger,künstlerisch und wissenschaftlich in ganz erstaunlichem Ausmaß in das Leben undDenken der Westafrikaner eingelebt, hat versucht, diese Mythen nachzuerlebenund weiterhin künstlerisch nachzuformen. Man spürt ihre Abneigung gegen dienormale Forschung, wenn sie sehr zurückweisend etwa von den„ von Dolmetschern,die aus den kulturell dehydrierten Klassen stammen, handgefütterten Sammlern
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