Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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Lexikon des Mittelalters. Erster Band, Achte Lieferung.( Barnabas von ReggioBayern).( Sp. 1473-1696), München und Zürich 1980, Artemis Verlag.

Das große Werk, das sich offenbar allmählich innerlich anreichert, ist zwar erstbeim Buchstaben B angelangt, bringt aber doch in jeder Lieferung auch für unsBemerkenswertes. So auch in dieser 8. Lieferung, von der unter anderem bemerktwerden darf, daß sich für die volkskundlich- kulturhistorischen Artikel in steigen-dem Ausmaß der Einfluß des Institutes für Realienkunde der Österreichischen Aka-demie der Wissenschaften sowie jener des Institutes für Volkskunde an der Univer-sität Würzburg bemerkbar macht.

Wir vermerken an sachlich wichtigen Einzelartikeln: Bart( H. Hundsbichler),,, Basilisk"( leider ohne Kenntnis des berühmten sagenumwobenen Wiener Hauszei-chens), Basken, Baubetrieb, Bauhütte. Eine besondere Erwähnung verdienen diegroßen Sammelartikel Bauer, Bauerntum", die mehr über das Bauernwesen imMittelalter aussagen als die meisten bisherigen Darstellungen. Der in sich viel-gliedrige Artikel stammt von W. Rösener, G. Köbler, H. Hundsbichler, G. Wirth,R. Fossier, L. Adão da Fonseca, V. Fumagalli, R. L. de Lavigne, H. Ehrhardt, B. Zien-tara, M. Hellmann, H. Rüß, M. Kaplan, S. Ćisković, C. Kahen, S. Faroqhi u. a. DasAusgreifen dieser Artikel auch nach dem Osten und Südosten bereichert unserGesamtbild vom mittelalterlichen Bauerntum ganz beträchtlich. Beinahe eineÜberraschung stellt es wohl dar, daß auch ein ausführlicher Artikel Bauernhaus"aufgenommen wurde, obwohl doch das mittelalterliche Bauernhaus in den meistenLändern kaum zu erschließen ist. Die Verfasser H. Hinz und Konrad Bedal habendaher auch den Süden Europas ganz ausgeklammert. Die anderen Länder sind dage-gen eingehend behandelt, auf dem Stand des derzeitigen Wissens. Ob es die volks-kundliche Bauernhausforschung verdient hat, Sp. 1607, von Bedal unter Anfüh-rungszeichen genannt zu werden, sei hier nachdrücklich bezweifelt: Man mußgewiß nicht mit allen Ergebnissen dieser Forschungsrichtung in der ersten Hälfteunseres Jahrhunderts einverstanden sein. Aber ohne die damalige Forschung, dietatsächlich ein Zentralgebiet der kulturhistorischen Volkskunde bildete, wäre wohlkaum viel an Erkenntnissen gefördert worden.

An eher der geistigen Volkskultur zugehörigen Artikel seien noch ,, Baumeister-sage"( E. Wimmer), Bauopfer"( H. Daxelmüller) und Bauplatzsage"( E. Wimmer)genannt. Heiligen- Artikel gibt es diesmal wenige, nur der hl. Bartholomäus( M. Zender) muß eigens genannt werden. Die an ihn geknüpften Sagen, Wetter-regeln, Arbeitstermine erscheinen kaum berücksichtigt, aber vermutlich sind sieeben noch nicht mittelalterlich bezeugt.

Leopold Schmidt

Klaus Anderegg, Durch der Heiligen Gnad und Hilf. Wallfahrt, Wall-fahrtskapellen und Exvotos in den Oberwalliser Bezirken Goms und Östlich-Raron( Schriften der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, Bd. 64),348 Seiten mit 143 und 216 Abbildungen, Basel 1979, Verlag G. Krebs AG, inKommission bei Rudolf Habelt, Verlag GmbH, Bonn, sFr. 40,-.

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