einen vernünftig benützbaren Band vor sich hat, dessen Zustandekommen nichtzuletzt Trefor M. Owen, dem Curator des Museums in Cardiff zu verdanken ist.
Die Vorträge behandelten die dem Gesamtthema entsprechenden Gesichts-punkte. Für„ Freilichtmuseen und Denkmalschutz in Österreich“ sprach Kurt Con-rad. Von Einzelberichten ist der von Franz C. Lipp über„ Den gegenwärtigenStand der Freilichtmuseen in Oberösterreich“ mit dem besonderen Eingehen aufden Stand des Ausbaues des Museumsgutes Samesleiten namhaft zu machen. VonNachbarländern ist besonders der Bericht von Max Gschwend über die Eröff-nung des Schweizerischen Freilichtmuseums Ballenberg ob Brienz zu nennen. Vonden vielen oft sehr beachtlichen Berichten möchte ich besonders den von George B.Thompson hervorheben, der über„ Volkskundemuseen und Bildung“ sprach.Thompson sprach über die bedeutsame bauliche und gestalterische Weiterent-wicklung des ,, Ulster Folk& Transport Museum", das seinen Ausführungen nach zueinem Volksbildungszentrum weiter gestaltet werden soll. Man hat den Eindruck,daß dort im letzten Drittel unseres Jahrhunderts Gedanken weitergeführt und wohlauch in die Wirklichkeit umgesetzt werden sollen, die einstmals, zu Anfang des Jahr-hunderts, von der durch die Jugendbewegung angeregten Erwachsenenbildung ent-wickelt wurden. So bedeutsam das vielleicht für die Landschaft Ulster sein mag, vomalten sicheren Ufer der eigentlichen Volkskundemuseen aus mag man sich doch fra-gen, ob diese Entwicklung nicht von der Wissenschaft wegführt.„ Bildung" auch ineinem offenbar sehr ideal gemeinten Sinn hat doch auch in angelsächsischen Län-dern einen anderen Klang, einen anderen Wert als Wissenschaft. Niemand ist es ver-wehrt, sich aus den wissenschaftlichen Ergebnissen der Volkskunde Bildungswertezu destillieren: Sie selbst aber tut es nicht, hat es nie getan und sollte es auch weiter-hin nicht tun. Aber die Verhältnisse in Ulster mögen ja ganz andere sein als bei uns.
Im Anschluß an diese sehr bemerkenswerten Vorträge im Bereich der euro-päischen Freilichtmuseen sei hier noch auf eine kleine aber interessante Neu-erscheinung hingewiesen:
Hans Falkenberg, Freilichtmuseen in den USA( Sonderdruck aus den,, Freundeskreisblättern" des Freilichtmuseums Südbayern w. V., Großweil bei Mur-nau, Bd. 10, 1979, 48 Seiten mit zahlreichen Abb.).
Hans Falkenberg ist ein, wie man so sagt, engagierter Sammler und Liebhaberalter bäuerlicher Kultur. Er hat sich nach Kenntnisnahme der entsprechenden Ein-richtungen in Europa auch in den Vereinigten Staaten umgesehen und die dortigenFreilichtmuseen, 164 an der Zahl, genau besichtigt, und nicht nur ihre oft sehrbescheidenen Gebäude, sondern auch ihre Pflege, ihr zum Teil bewußt gestaltetesInnenleben kurz geschildert. Das Heft ist ungemein aufschlußreich und verleitetwohl auch zum Nachdenken über die großen und grundsätzlichen Unterschiedezwischen europäischer und nordamerikanischer Volkskultur. Einen Teil davon magman nach Kenntnisnahme dieser kleinen Museen wohl etwas besser verstehen.Wirklich beurteilen könnte man diese Bestrebungen nur, wenn man sie nach, sagenwir, einem Vierteljahrhundert wiedersehen würde. Aber das gilt bekanntlich für alleFreilichtmuseen.
Leopold Schmidt
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