Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
Einzelbild herunterladen
 

können¹); Frau Pischel glaubt, daß er die Nachfolge des angeblich wandalischenMännernamens Hostrildi sei. Aber ihr klingt eben alles wandalisch und zwar miterstaunlich weiten Rückbezügen: auf S. 135 erfahren wir sogar, daß die Sippe der Hattinge eigentlich das Hethitische Königshaus" gewesen sei, und von da gehtsin die Erörterung der Hasdingi und Silinge hinüber, daß die altgermanistischenNamenforscher sich nur so wundern werden. S. 154 trägt zu den Schmuckgürtelnmanches aus Antikenmuseen bei, was man bisher für islamisch halten mochte, wasFrau Pischel aber alles als wandalisch erkennt. Für sie hat das nicht nur in Nordafrikaweitergelebt, sondern auch in Europa: Die Technik des Aufsetzens von Steinen aufdurchgehende Edelmetallplatten in hoher Fassung wurde von Goldschmieden imdeutschsprachigen Siebenbürgen bis 1943 noch beherrscht; sie ging auch bei ihnenseitdem verloren( S. 155). Etwas mehr Disziplin, und die Schmuckforschung hättevielleicht einhaken können. Aber so wird jede derartige Aussage verdächtig, zumin-dest wandalen- verdächtig.

Nach längeren Versuchen, diesen Text zusammenhängend zu lesen, ermattetder Rezensent und kann nur mehr Stichproben machen. Er erfährt dabei etwa fol-gendes: Der hl. Augustinus kannte im Jahr 410 zwei Persönlichkeiten namens Mela-nie und Pinianus. Der Heilige hat sich mit den Wohltätern nicht besonders beschäf-tigt, wohl aber Frau Pischel mit dem Namen der Ehefrau: War Melanie schwarz-haarig, wie aus dem Namen zu deuten wäre, der bis in die Gegenwart in Mittel-deutschland, im Raum wandalischer Rückzugsgebiete, noch üblich ist, wo sich inabgelegenen Dörfern mit eigentümlicher Mundart ein schwarzhaariger Typus erhal-ten hat?"( S. 211). Also schwarzhaarige Wandalinnen namens Melanie in Mittel-deutschland,- man wird verzeihen, daß bei solchen Konfusionen dem Rezensentendie Geduld ausgeht. Bei näherem Zusehen und intensiverem Lesen lassen sich Dut-zende ähnlicher Perlen der vandalomanen Interpretation finden. Für uns aber mußes genug sein. So sehr man es bedauern mag, so sehr man die mitunter offenbar mitpersönlicher Hingabe und großem Fleiß geführten örtlichen Untersuchungen aner-kennen möchte, insgesamt sind sie einfach nicht positiv zu werten.

Leopold Schmidt

Freilichtmuseen und Denkmalpflege. Open Air Museums and the Preservation ofMonuments. Tagungsbericht Cardiff 1978.(= Führer und Schriften desRheinischen Freilichtmuseums und Landesmuseums für Volkskunde Nr. 18)Hg. Adelhart Zippelius. 160 Seiten, Köln 1980, Rheinland- VerlagGmbH, in Kommission bei Rudolf Habelt Verlag GmbH, Bonn.

Die Freilichtmuseen haben sich eine eigene Internationale" geschaffen, ihren Verband europäischer Freilichtmuseen", den Adelhart Zippelius geschickt organi-siert, mit dem Hintergrund seines nunmehr schon zum Landesmuseum für Volks-kunde gewordenen Freilichtmuseums in Kommern in der Eifel. Die Tagung 1978fand in Cardiff statt, das Welsh Folk Museum bot Gastfreundschaft. Die Vorträgeund Berichte sind in englischer und deutscher Sprache abgedruckt, so daß man

1) Lutz Mackensen, Das große Buch der Vornamen. München 1969, S. 88 f.

282