Klosters Muri immer schon auch die österreichischen Historiker( Hans Hirsch vorallem) interessiert haben. Durchaus bemerkenswert der folgende Vortrag von ElmarLutz über„ Die Nacht im Recht“. Stärker der reinen Rechtsstrafgeschichte zuge-wendet der Beitrag von Cristina Bukowska Gorgoni über Wahrheit undLegende im Fall der„ Strafe des Säckens“. Aus etruskischen und römischen Vorfor-men ist die„ Poena culei" in die Rechtsvorschriften der verschiedenen Völker desMittelalters geflossen, und ungefähr ein Jahrtausend lang an Elternmördern undähnlichen Verbrechern vollzogen worden. Weniger grausig muten die„ Sittenman-date" im alten Wil an, über die Magdalen Bless- Grabher berichtet. Was sie überFluchen und Lästern, über Einhaltung der Sonntagspflicht oder auch über die Fast-nacht berichtet, ergibt viel zur Brauchgeschichte, wie dies auch anderwärts ähnlicherhoben wurde. Wir sind da der allgemeinen, von der Volkskunde verwaltetenBrauchgeschichte näher als bei manchen anderen Artikeln des inhaltsreichen Ban-des. Willkommene, reiche Ergänzungen also zur süddeutschen und schweizeri-schen Brauchgeschichte.
Louis Carlen geht in seinem kurzen Vorwort von den Arbeiten des GrazerRechtshistorikers Hermann Baltl aus. Wir freuen uns darüber, daß dessen schöneVeröffentlichungen offensichtlich auch in der Schweiz auf fruchtbaren Boden rech-nen können. Der Gewinn ist dementsprechend nicht nur bei der schweizerischen,sondern auch bei unserer Rechtsvolkskunde
Leopold Schmidt
Leopold Kretzenbacher, Legendenbilder aus dem Feuerjenseits. ZumMotiv des„ Losbetens" zwischen Kirchenlehre und erzählendem Volksglauben(= Österreichische Akademie der Wissenschaften, Phil.- Hist. Klasse, Sitzungs-berichte, 370 Bd.), 55 Seiten, 7 Abb. auf Tafeln. Wien 1980, Verlag der Österrei-chischen Akademie der Wissenschaften, öS 98,-.
Die Reihe von Kretzenbachers Legendenstudien wird immer länger. Auf somanchen Umwegen ist er seit Jahrzehnten immer wieder auf diesen Sonderpfad ein-geschwenkt, besonders dann, wenn ihn die legendengemäße Erklärung eines Bild-motives dazu reizte. Das„ Bilder- Denken“ und„ Bild- Erzählen“ ist offenbar ein zen-trales Anliegen seiner Forschungen geworden.
Im vorliegenden Fall geht es vor allem um die Erlösung des„ guten❝ Kaisers Tra-jan, der durch den hl. Gregor den Großen aus dem„ Feuerjenseits" losgebetet wird.Es spielen zwar immer die Fragen von Hölle und Fegefeuer hinein, aber wesentlichfür die Maler blieb doch, daß der gewaltige Kirchenvater mächtig dasitzen konnteund den kinderkleinen nackten Kaiser gewissermaßen aus den vor ihm aufgebroche-nen Flammenabgrund herausheben durfte. So hat vor allem Michael Pacher zwei-mal die Szene dargestellt. Die in den letzten Jahren stark angestiegene Trajanslitera-tur und Trajansikonographie haben hier offenbar noch besonders anregend gewirkt,nunmehr auch von seiten der historischen Volkskunde ein Wort dazuzusagen. Undnicht nur dazu, sondern auch zu der sehr bemerkenswerten Parallele der hl. Odilia,die in ganz gleicher Weise ihren sehr wenig frommen Vater, den Herzog Eticho vomElsaß aus dem Feuerjenseits losbeten konnte. So weitgehend, daß er im Spät-
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