geleisteten Untersuchungen wendet sich Koenig wieder den„ Aktivitäten nach demLauf zu, also gemeinsamem Mahl, Schlußfeiern. Und erst jetzt versucht Koenig„ Die Nachwirkungen alter Nikolausspiele" festzustellen. Das geht nicht zuletzt aufden Film über ein Nikolausspiel in St. Georgen im Südtiroler Tauferertal zurück,den Simon 1965 gedreht und auch uns in Wien gelegentlich vorgeführt hat. Einespäte Anerkennung sozusagen, eine Art von Einlenken in die von der Volksschau-spielforschung vorgezeichnete Bahn. Aber Koenig freuen diese Erkenntnisse offen-bar am wenigsten. Er wendet sich sogleich einer angeblich vorhandenen ,, magischenKomponente" zu, mit Amuletten, mit„ Bösem Blick", kurz, mit Dingen, die ihn ebenmehr interessieren. Leider stehen auch da wieder Sätze, die man eigentlich auch anKoenigs Stelle doch nicht so hätte hinschreiben dürfen, etwa:„ So stehen wir letzt-lich vor der erstaunlichen Tatsache, daß die Hörner des Teufels, des Krampus undmancher Schiachperchten einer gleichen Urfunktion entspringen wie die zwei-zackige Bischofsmütze des Nikolaus.“( S. 68). Aber es muß bei Koenig eben immerrasch gehen, mit Heranziehung vermutlich ihm naheliegender, aber sonst längstganz unbrauchbarer Literatur. Seine Vorliebe für die Etymologie bleibt ihm auchbei der ganz überflüssigen Erläuterung des Wortes„ Hexe" treu, wo er etwa zitiert:„ Einen ähnlichen Sinn ergäbe der laut Martin(!) Bermann( 1880) bestehendeZusammenhang mit den althochdeutschen Worten, haug und, hugʻ, etwa gleichbe-deutend mit, Gemüt' und, Nachdenken.“( S. 69). Wozu bloß das„ Alt- und Neu-Wien" des alten Moritz Bermann heranziehen, das nicht einmal ein Wiener Lokal-historiker mehr in die Hand nehmen darf?
Aber Koenig wird mit solchen Dingen nicht fertig. Sein Interesse an den Paa-rungsbräuchen führt ihn im nächsten Kapitel zum„ Gasselbrauch", wozu er glückli-cherweise doch das Buch von Ilka Peter von 1952 gelesen hat. Die Bemerkung überdie einstmals so naheliegende Ruß- Maskierung( S. 72) geht freilich auf sein Konto.Ein weiterer Exkurs schließlich führt zum„ Krampuslauf in der Gastein“, der im Ge-gensatz zum dortigen Perchtenlaufen offenbar bisher weniger aufgezeichnet wurde.So wunderlich manche Abschweifungen auch hier berühren, im ganzen ist es dochein nützliches Kapitel. Mit der Zusammenstellung über die bisherigen Klaubauf-und Perchtenfilme, und mit den aufschlußreichen Abbildungen zusammen ergibtdies also doch noch einen einigermaßen befriedigenden Abschluß.
Leopold Schmidt
1855-1950. Im Dienste der bayerischen Fischerei. 125 Jahre LandesfischereiverbandBayern. Hg. Günter Keiz und Bruno Lang. 240 Seiten mit zahlreichen zumTeil farbigen Abb., München, Landesfischereiverband Bayern e. V. 1980.
Der vorliegende stattliche, auch ausgezeichnet bebilderte Band gehört zu jenenBüchern, die einem nur durch Zufall oder durch freundliche Widmung in die Handkommen. Dabei ist das Werk selbstverständlich auch für das Fach Volkskunde inter-essant, vor allem durch den umfangreichen Beitrag des Würzburger SpezialkennersWalter Michael Brod„ Historische Streiflichter auf Fisch und Fischerei"( S. 173–237) mit nicht weniger als 66, zum Teil farbigen Abbildungen. Walter M.Brod, vor allem durch sein Buch„ Altertümer und Bräuche der Fischerzunft zu
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