Ausstellung Alt- Österreichische Sprachinseln in den Südalpen. Noch erhaltenedeutsche Mundarten und Volkskulturen. Vom 9. bis 22. Mai 1980 im Öster-reichischen Kulturzentrum, Palais Palffy, Wien. Verein der Freunde der imMittelalter von Österreich aus besiedelten Sprachinseln. Wien 1980. 94 Seiten,28 Abb., 4 Karten.
Irgendein Zufall hat es gefügt, daß fast genau gleichzeitig mit der vom Österrei-chischen Museum für Volkskunde veranstalteten Ausstellung„ Volkskunde derGottschee" in den Schlössern Kittsee und Stainz auch eine themennahe Ausstel-lung in Wien stattfand, die gar nicht vom Museum, sondern im wesentlichen von derÖsterreichischen Wörterbuchkanzlei, bzw. der Kommission für Mundartkunde undNamenforschung getragen wurde. Das heißt, daß das Ehepaar Maria und HerwigHornung und ihre Freunde sich aus Anlaß der Hundertjahrfeier des DeutschenSchulvereines zu einer entsprechenden Veranstaltung, Ausstellung und Veröffent-lichung zusammenfanden, wovon die Veröffentlichung, also der vorliegende Kata-log zweifellos den dauernden Gewinn darstellen wird.
Der schmale Band enthält nach dem Geleitwort des Unterrichtsministers unddem Vorwort des Ehepaares Hornung einen 1. Allgemeinen Teil, der eine Reihe voninstruktiven Texten bietet. Maria Hornung, die eigentliche Trägerin dieser ganzenForschung, behandelt zunächst die ,, Sogenannten zimbrischen Sprachinseln", danndie„ Deutsche Sprachinsel Lusern", weiters eines ihrer Hauptarbeitsgebiete„ Pla-den/ Sappada“ und schließlich„ Herkunft und Sprache der einstigen großen Gott-schee Volkstumsinsel in Krain“. Dazu treten Beiträge von Hans Fink„ Besuch imdeutschen Fersental", Ingrid Bayrl„ Zahre/ Sauris", von Ingeborg Geyer„ Diedeutsche Sprachinsel Tischelwang/ Timau“ und von Dorothea Kribitsch„ DasKanaltal". Das sind durchwegs sachliche knappe Darstellungen mit gediegenerErörterung der sprachlichen Verhältnisse, wie sie seit Schmeller, Anton Pfalz undvor allem Eberhard Kranzmayer eben bearbeitet wurden. Die Ergebnisse, also dieZuweisung an die Alpenländer vor allem an Westtirol und an Oberkärnten als Her-kunftslandschaften, lassen sich offenbar sprachlich durchwegs bestätigen. Sachlichwäre es nicht ganz leicht, wie eine Durchsicht des ausführlichen Kataloges zeigt, derdie Ausstellung aufschließt, die aus Leihgaben, vor allem aus privaten Sammlun-gen, zusammengetragen wurde. Die Ausstellung ist, was die Arbeitsgeräte betrifft,auch durch die guten Zeichnungen von Hans Heinrich Bayrl erläutert, und hiermag man sich bei vielen Stücken die Gegenstücke aus anderen Landschaften ins Ge-dächtnis rufen: Zu den Seihtrichtern etwa( Abb. 17), aber auch zum ganz anderslokalisierten Salzmörser( Abb. 29), zum Dreibein- Melkstuhl( Abb. 19) oder zumWetzsteinkumpf aus Pladen( Abb. 23). Schlitten, hölzerne Fallriegelschlösser,Osterratschen, aber auch Käserührer ließen sich jeweils allgemeiner zuordnen, undman mag im stillen bedauern, daß zu einer genaueren Bestimmung kein Vertreterder Sachvolkskunde beigezogen wurde.
Angesichts der ungemein reichen Bibliographie bleibt man nichts destoweni-ger dankbar dafür, daß dieses sonst verborgene und nirgends beisammen verwahrteKulturgut hier einmal nebeneinander stand und lag, gewissenhaft katalogisiert undwenigstens in Hauptstücken verbildlicht wurde.
Leopold Schmidt
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