Zum Ausklang des Symposions hatten sich die Veranstalter eine besondersgeglückte Überraschung ausgedacht, die den Teilnehmern nicht nur die traditio-nelle rumänische Gastfreundschaft bewies, sondern auch reichliche Kostprobender landesüblichen Speisen und Getränke bot. Die traditionelle„ mamaliga" mit fri-schem Schafkäse, selbstverständlich stilgerecht mit den Fingern gegessen, wird denTeilnehmern sicherlich ebenso in Erinnerung bleiben wie die über offenem Feuergebratenen Lämmer.
Einen letzten Höhepunkt bildete die Exkursion nach Horezu; die Fahrt gingzunächst entlang des Olt- Flusses und überschritt am Paß des Roten Turmes dieGrenze von Siebenbürgen zur Walachei. Der große Töpfermarkt von Horezu zeigtedie Erzeugnisse der Töpfer in ihrer Vielfalt und bot Gelegenheit, manche der in denFachreferaten geschilderten Formen mit eigenen Augen zu sehen. Besondersinteressant war die Besichtigung einiger noch in Betrieb stehenden Töpferwerkstät-ten mit Tongruben, Töpferscheibe und Brennöfen. Das am Rückweg besichtigteKloster Cozia, hart am Ufer des Olt- Flusses gelegen und von Fürst Mircea dem Altengegründet, führte noch einmal in die Vergangenheit zurück und beeindruckte durchden Reichtum an Bildern im byzantinischen Stil.
Dem Gefertigten bot die Teilnahme an dem Symposion nicht nur die Möglich-keit, wichtige persönliche Kontakte mit Keramikfachleuten aus fast ganz Europa zuknüpfen, sondern auch wertvolle Erweiterungen der Kenntnisse über volkstümlicheKeramik im Allgemeinen, besonders aber über die Hafnerei von Osteuropa und diemannigfaltigen Beziehungen zu diesem Raum.
Felix Schneeweis
Bericht über die 4. Internationale Konferenzfür Ethnologische Nahrungsforschung
In der Zeit vom 24. bis 30. 8. 1980 fand in Stainz in der Steiermark die 4. Interna-tionale Konferenz für Ethnologische Nahrungsforschung statt. Diese Veranstaltungbedeutete bereits ein kleines Jubiläum, denn ziemlich genau vor zehn Jahren, imAugust 1970, trafen sich die Nahrungsforscher aus Europa und den USA zum erstenMal, damals in Lund/ Schweden, um auf ihr Forschungsgebiet aufmerksam zumachen, und um im fachlichen Austausch das bislang von der Volkskunde etwasvernachlässigte Gebiet der Nahrungsforschung zu der Bedeutung zu führen, die ihmim Rahmen der Kulturbetrachtung innerhalb des gesellschaftlichen Lebenszukommt. Daß in diesen zehn Jahren einiges geschehen ist, die Anliegen der ethno-logischen Nahrungsforschung zu erhellen, hat der Stainzer Kongreß gezeigt; nochmehr jedoch hat er gezeigt, was alles noch nicht geschehen ist, und in welch tradi-tionsgebundenen Bahnen sich die Volkskundeforschung zum Teil heute noch
bewegt.
Essen hat nicht nur eine physiologische, lebenserhaltende Funktion, sondernspielt auch eine große Rolle für die zwischenmenschlichen Beziehungen. Auf diezeichenhafte Bedeutung der Nahrung, auf ihren Kommunikationswert wurde schon
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