Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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darbietung folgt thematischen Untereinheiten, die der Praxis der volkskundlichenStoffgliederung entstammen: bei der Geburt etwa: Sterilität, die Schwangerschaft,das Kindbett, das Neugeborene usw., bei den Totenriten: Vorzeichen des Todes,Todestag, Todesmoment, Leichenwicklung, Aufbahrung usw. Vielleicht hätte mansich eine ausführlichere theoretische Einbettung der überaus interessanten und ineiner Fülle von Beispielen morphologisch dokumentierten Brauchphänomenewünschen können. Dies war aber offenbar nicht die Absicht der Studie, wie auchdas Fehlen einer weiterführenden Zusammenfassung indiziert. Rein technischeGebrechen wie Druckfehlerteufeleien besonders bei fremdsprachigen Titeln( aufS. 186 fehlt die Anm. 20) beeinträchtigen den Wert des dargebotenen Fall-materials für die volkskundliche Brauchkomparatistik nicht. Auch die reich-haltige Spezialbibliographie bleibt wertvoll, obwohl man wichtige themenrelevanteArbeiten wie die von Eideneier zum Bedeutungsambiente von ártos und psomí( beides ,, Brot") und die ältere von B. Schmidt zu den Totengebräuchen der Neu-griechen nicht angeführt findet( H. Eideneier, Sogenannte christliche Tabuwörterim Griechischen. München 1966 Miscellanea Byzantina Monacensia 5;B. Schmidt, Totengebräuche und Gräberkultus im heutigen Griechenland. Archivfür Religionswiss. 24( 1926) 281-318, 25( 1927) 52-82). Zusammenfassend istzu sagen, daß die Publikation als Quellenzusammenstellung zu Spezialkapiteln desThemenkomplexes Brot der griechischen und vergleichenden Volkskunde sicherwillkommen ist.

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Walter Puchner( Wien/ Athen)

aus

Annemarie Schimmel( übersetzt und herausgegeben), MärchenPakistan(= Märchen der Weltliteratur, o. Nr.) 288 Seiten. Köln 1980,Eugen Diederichs Verlag. DM 26,-.

Es mag sein oder doch den Anschein haben, daß der alte MärchenverlagEugen Diederichs manchmal Märchenbände auf den Büchermarkt bringt, weil diedarin behandelten Länder gerade politisch aktuell sind. Auch beim vorliegendenPakistan- Band könnte man so etwas annehmen, aber es wäre ungerecht, deshalbnicht zu sagen, daß es sich um einen wichtigen Band der Reihe handelt.

Eine ausgesprochene Kennerin, Frau Professor Schimmel, die in Harvard wiein Bonn tätig ist und das Sindhi", eine der Hauptsprachen im islamischenNordindien genau kennt, hat sich nicht nur mit Geschichte, Landeskunde undDichtung dieses Landes eingehend beschäftigt, sondern steht auch mit der dortigenForschungsorganisation, dem Sindi Adabi Board" in Verbindung, von wo ausN. A. Baloch in den Jahren 1957-1959 die Märchen aufgezeichnet und 1960in 6 Bänden der ,, Sindhi Folklore Series" herausgegeben hat. Es handelt sich umausführlich erzählte Geschichten, deren märchenkundliche Zusammenhängedurch ein knappes, von Kurt Ranke erstelltes Typen- und Motivregistererschlossen werden. Manchmal geht es um sehr ausgefallene Geschichten, wie,, Weiß- Rose- Fee"( Nr. 23), zu der es keine Parallelen gibt, die aber zu Puppen-spielfabeln in Verbindung stehen dürften. Die Übersetzungen lesen sich im allge-

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