Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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Béla Gunda, Ethnographica Carpatho- Balcanica. 427 Seiten, mit182 Abb. im Text. Budapest 1979, Akadémiai Kiadó.$ 37,50.

Angesichts der sprachlich bedingten Schwerzugänglichkeit der ungarischenForschung berührt es immer wieder angenehm, wenn maßgebliche Veröffent-lichungen auch in den westlichen Sprachen erscheinen. Béla Gunda, der großeLehrer ganzer Generationen von jüngeren Fachkollegen in Debrecen, hat schon1966 einen schönen Band ,, Ethnographica Carpathica" herausgebracht, in dem erviele seiner verstreut erschienenen Arbeiten gesammelt vorlegte. Nunmehr hat ereine neue Folge solcher Abhandlungen, die größtenteils in verschiedenen Zeit-und Festschriften erschienen sind, zusammengestellt, und sie liegen nunmehr zumkleineren Teil in englischer, zum größeren in deutscher Sprache vor. Die Über-setzung besorgte Mátyás Esterházy. Der Band ist sinnvollerweise dem großen pol-nischen Ethnographen Kasimir Moszynski zum Angedenken gewidmet. BélaGunda hat sich ja zeitlebens mit Problemen beschäftigt, die Moszynski für Polenbearbeitet hatte.

Hier liegen nun vor allem Abhandlungen zur Fischerei, zur Jagd, zumHirtentum vor, Gebieten also, die Gunda in den Karpathen, im eigentlichenUngarn und auf dem Balkan verfolgen konnte. So manche Zusammenhängeergeben sich aus den minutiösen Beobachtungen und den vielen Aufnahmen undZeichnungen heraus, wobei wie seit langen Jahren der Einfluß einer vergleichend-historischen Volkskunde, wie sie in Schweden betrieben wird, spürbar bleibt. Aberauch besondere Züge innerhalb dieser ländlichen Welt, beispielsweise für dasLeben der Hirten auf der Puszta, oder für jenes der Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeuner und ihrerErzählweise ergeben sich dabei. Genauigkeit, Heranziehung von vieler, uns oftkaum bekannter Literatur erweist immer wieder die Gründlichkeit der Arbei-ten von Béla Gunda. Er untersucht so manche unbedeutend erscheinendeKleinigkeit, bei den Fallen wie bei den Bettlerzeichen, weil er die größeren kultur-geographischen Zusammenhänge kennt. Das ergibt also noch einmal einen wert-vollen Band, für den man Verfasser, Übersetzer und Verlag dankbar sein kann.

Leopold Schmidt

Angelos N. Defteraios, O artos kata tin jennivin kai tin teleftin.I symvolia rai majiki ebnisis tou ypo tou neoteron Ellinon.( Das Brot bei derGeburt und im Totenbrauch. Sein symbolischer und magischer Gebrauch beiden Neugriechen). Diss., Athen( Selbstverlag) 1978. 254 Seiten.

Die volkskundliche Dissertation an der Universität Athen behandelt zweiKapitel aus dem großen Themenkomplex des magischen und symbolischen Brot-gebrauchs in Lebenslauf- und Jahreslaufriten der Neugriechen. Sie stellt einewillkommene Materialsammlung zum Thema dar, besonders da sie auch instarkem Maße unveröffentlichtes Archivmaterial des Forschungszentrums fürGriechische Volkskunde der Akademie Athen heranzieht. Der Verf. konnteüberdies auch eigenes Feldforschungsmaterial in die Studie einbringen. Die Stoff-

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