Torsten Gebhard, Kachelöfen. Mittelpunkt häuslichen Lebens.Entwicklung, Form, Technik. Großformat, 205 Seiten, mit 371 Abb., davoneinige Farbtafeln. München 1980, Verlag Callwey.
In der immer länger werdenden Reihe der großen Bildbände des VerlagesCallwey hat ein Band über die Kachelöfen geradezu schon gefehlt. Das Bildmaterialist dafür längst von Frau Dr. Veronika Baur zusammengetragen worden, nun hatTorsten Gebhard, von der Bauernhaus- und Volkskunstforschung dafür wohlvorbereitet, den einleitenden Text und die kurzen Bilderläuterungen geschrieben.
An Literatur über den Kachelofen mangelt es durchaus nicht, von KonradStrauß, oder schon von Alfred Walcher- Molthein, bis zu Rosemarie Franz, und überdie Grenzen hinaus bis zu J.-P. Minne, La Céramique de Poêle de l'Alsace Médiévale( Straßburg 1977). Aber Gebhard hat seine Betrachtung vor allem auf derhauskundlichen Geschichte des Stubenheizkörpers aufgebaut, ungefähr auf denWegen, die einstmals Bruno Schier vorausgegangen ist. Die Einleitung, durchStrichzeichnungen an den Seitenrändern unterstützt, weist auf die verschiedenenBack- und Badestuben- Vorstufen oder-Seitentriebe dieser Entwicklung hin.Manche spezielle Wohngewohnheiten, wie das Schlafen auf dem Ofen, werdenerörtert; man erinnert sich einerseits daran, was schon Moriz Heyne( Das deutscheWohnungswesen. Leipzig 1899, S. 240 f.) darüber schrieb, anderseits vielleicht auchan die Eindrücke, die sich in Rußland davon ganz lebendig gewinnen ließen. Aufdiese Weise jedenfalls überblickt Gebhard die„ Frühgeschichte des Kachelofens",wobei der Bodenseeraum zu Recht besonders betont wird. Dann folgt ein Überblicküber ,, Die große Zeit des Kachelofens", also, wie Gebhard das ausdrückt, über den,, Architekturofen als Zentralmotiv des Wohnraumes“, vom 15. bis zum 19. Jahr-hundert¹). Dann muß folgerichtig die„ Ikonographie der Ofenkachel“ behandeltwerden, ein vielleicht doch noch zuwenig erschlossenes Gebiet, für das in diesemBand ein ikonographisches Register erwünscht gewesen wäre. In großen Zügenwerden dann die ,, Landschaftlichen Eigenarten des Kachelofens" behandelt, wobeiauch auf das Wandern der Ofenhafner Bedacht genommen wird. Die ältereVolkskunstsammlung hat in manchen Landschaften, beispielsweise in Südtirol,erstaunliche Schätze an Majolikaöfen, etwa die„, blauen“ Sfruzer retten können,deren Bestände heute häufig ungenutzt in den Depots der Museen liegen: Man kannsie ja gar nicht alle ausstellen. Ein bemerkenswertes, sonst wenig behandeltes Kapitelschließlich ,, Der Kachelofen im Zeitalter des Historismus“, wo besonders auf denEinfluß der graphischen Vorlagen hingewiesen wird.
Dann folgen, wohl auch dem Bildmaterial gemäß, Bemerkungen über ,, NeueAnsätze“, nämlich die Ofenkeramik nach 1900, woran ja auch Sezession- Jugendstilnoch stark beteiligt waren. Das wohngeschichtlich nicht unwichtige Thema„ DerKachelofen in der Gegenwart" wird von Otto Hufnagl, einem Münchner Spezialistendes Gebietes, behandelt.
¹) Zu S. 31 nur eine kurze Bemerkung: Die mit Recht berühmte„ Ofen-bäuerin“ aus Münzbach bei Perg( hier nicht abgebildet) steht wie seit eh und je nichtim Landesmuseum zu Linz, sondern selbstverständlich bei uns in der Laudongasse.
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