gewesen, und daher kommt dieser, archäologisch ja sicherlich nicht eindeutig alsCheruskerbeute anzusprechende Fund auch in diesen Zusammenhang.
Man wird, wie bei Höfler immer, alle derartigen Erörterungen mit großemInteresse lesen. Sprachwissenschaftlich- etymologisch Interessierte werden dafürwohl noch weit mehr Verständnis aufbringen als Vertreter einer historisch- geogra-phisch eingestellten Sagenforschung. Von Wichtigkeit erscheint, daß Otto Höfler,der sich seinem 80. Lebensjahr nähert, auch weiterhin nicht etwa Wege der üblichenVolkskunde einschlägt, sondern im Gegenteil sich stärker mit philosophisch- natur-wissenschaftlichen Lösungsmöglichkeiten beschäftigt. Was in seinem ,, Siegfried"schon anklingt, das wird in seiner neuesten Abhandlung über die Homologie deut-licher ausgeführt. Die Homologie, sonst eher den Naturwissenschaften, auch derMedizin, sogar der Mathematik als eine mögliche Lösung für Gleichheiten und Ähn-lichkeiten in ganz verschiedenen Bereichen geläufig, wird hier auch für die Kultur-wissenschaften herangezogen. Vielleicht, weil sich die Verhaltensforschung, die,, Ethologie“ in letzter Zeit damit beschäftigt hat, wie das Buch von Karl Meißner,Homologieforschung in der Ethologie( Leipzig 1976) zeigt. Aber von der„, Etho-logie" zur ,, Ethnologie" ist ein weiter Weg, der von vielen Vertretern vor allem derEthnologie, also besonders der historisch- kulturhistorisch eingestellten Volks- undVölkerkunde wohl gar nicht eingeschlagen wird. Dennoch: In manchenbundesdeutschen Schulen der Volkskunde wird ab und zu geklagt, daß die normaleVolkskunde sich so wenig mit theoretischen Fragen beschäftigt. Nun, hier wärejedenfalls eine Möglichkeit, sich mit einer Richtung zu beschäftigen, die in ihren An-knüpfungen an Goethe wie an die Naturwissenschaften des 19. Jahrhunderts wohltheoretisch genug sein mag. Ob die vorgetragenen Probleme anscheinender oder an-geblicher Homologie in irgendeiner Weise den Fragen nach Beweisen von anderenRichtungen her standhalten, mag sich ja dann erweisen.
Leopold Schmidt
A Magyarországi Németek Néprajzához, 2. Beiträge zur Volkskundeder Ungarn deutschen. Chefredakteur Iván Balassa, RedakteureKarl Manherz, Claus Klotz. 230 Seiten mit zahlreichen Abb. Budapest 1979,Lehrbuchverlag.
Im alten, bis 1919 bestehenden Ungarn gab es viele, und zwar auch zahlenmäßigsehr bedeutende sprachlich- kulturelle Minderheiten. Sie wurden von Ungarn selbstwenig beachtet, eigene Veröffentlichungen wurden ihrer Volkskunde kaum gewid-met. In der Zwischenkriegszeit geschah für die Deutschen in„ Rumpfungarn"manches, zum größeren Teil freilich nicht in oder von Ungarn.
Die Verhältnisse haben sich geändert. Dreißig Jahre lang hat die ungarischeVolkskunde im wesentlichen für das eigentlich magyarische Kulturerbe gearbeitet.Nun ist offenbar eine neue Zeit angebrochen. Unter der tatkräftigen Organisations-kraft von Iván Balassa, dem übrigens heuer 1980 der Herder- Preis in Wien verliehenwurde, ist eine neue Schriftenreihe entstanden, die jeweils ein Heft den Deutschen,den Slowaken, den Rumänen und den Südslaven auf heute ungarischem Gebiet
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