Otto Höfler, Siegfried, Arminius und der Nibelungen hort(= Österreichische Akademie der Wissenschaften, Phil.- Hist. Kl., Sitzungs-berichte Bd. 332), 119 Seiten. Wien 1978, Verlag der Österreichischen Aka-demie der Wissenschaften. S 180,-.
Otto Höfler, Über somatische, psychische und kulturelleHomologie. Vererbung und Erneuerung(= Österreichische Akademieder Wissenschaften, Phil.- Hist. Kl., Sitzungsberichte Bd. 366), 55 Seiten.Wien 1980, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. S150,-.
Obwohl eher am Rande unseres engeren Fachgebietes liegend, bleiben Ver-öffentlichungen von Otto Höfler doch immer bemerkenswert. Besonders für dieEntwicklung der Sagenforschung sind sie wichtig, ob man sich nun mit den Ergeb-nissen der Forschungen um die Siegfried- Sage einverstanden erklären mag oder nicht.
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Otto Höfler hat, wie schon so oft, Kritiken an seinem 1961 erschienenen Buchüber ,, Siegfried, Arminius und die Symbolik“ zum Anlaß vertiefter, spezialisierterErhebungen genommen, die noch stärker als bisher erweisen sollen, daß es bei Sieg-fried im Grunde doch um Arminius gehe, daß die Schlacht im Teutoburger Wald dieSchlacht auf der Gnitaheide gewesen sei, und darüber hinaus, daß der Silberfund vonHildesheim identisch mit dem Schatz des Varus gewesen sein müsse, den sich Sieg-fried- Arminius und Segestes geteilt hätten, und was eben sonst noch in diesem Zu-sammenhang gehört. Höfler geht, wie stets bei seinen derartigen Erwiderungen- sohier gegen Hugo Kuhn noch weit genauer auf Lage und Namen der„ Knetter-heide Glossar ::: zum Glossareintrag heide" ein, wobei sich mit der Zeit herausstellt, daß„ Knetter" am ehesten denWacholderbusch gemeint haben müsse, nicht etwa die Gelse, wie einstmals GustavNeckel vorgeschlagen hat. Auch die etymologisch genauesten Erhebungen, aufs tat-kräftigste von Günther Müller vom Stadtarchiv in Münster unterstützt, ergeben frei-lich letztenendes für die Siegfried- Sage nichts. Man mag sich erzählt haben, daß dortArminius den ,, Heerwurm“ der Römer geschlagen habe, und wie in vielen vonHöfler ausführlich herangezogenen Fällen von Ägypten bis China sei mit der Zeitdieser Heerwurm zum Drachen mythisiert worden. Hinter den Mythen stehen fürHöfler immer tatsächlich historische Ereignisse, und man kommt von der schon früh-zeitig ausgesprochenen Überlegung nicht ganz weg, daß es sich dabei letzten Endesdoch um Euhemerismus handelt. Und das immer mit einer nicht zu übersehenden,, wodanistischen“ Komponente, die auch an sehr verborgenen Stellen betont wird.So etwa beim Hildesheimer Silberfund, der ja irgendwie das Vorbild des ,, Rhein-goldes“ sein soll, und der in einem Hügel versteckt war, welcher irgendwann einmalvon den Hildesheimern zum Galgenberg gemacht wurde. Nun, Galgen und Rad, dassind für wodanistische Ritualisten immer deutliche Zeichen für Wodansverehrung
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