Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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Art auch für das Buch von Sperber gelten kann. Sperber hat von Aurenhammer dieGliederung in byzantinische, frühmittelalterliche, hochmittelalterliche und frühneu-zeitliche Marienbildgestaltungen übernommen, wobei die maßgebliche Bedeutungder jeweiligen italienischen Umsetzungen zumal der byzantinischen Ikonen in diemittelalterliche Bildsprache der Tafelmalerei nicht übersehen wurde. In diesen For-men haben die jeweiligen politischen und geistlichen Herrscher dem wallfahrtendenVolk die zu verehrenden Gnadenbilder präsentiert. Durch Bildkopien und mehrnoch durch kleine Andachtsbilder wurden diese Bildtypen als die Bilder der hilf-reichen Gottesmutter verbreitet. Auch bei kleinen Filialwallfahrten betont Sperberimmer wieder, welche Herrschaften, welche Schloßherren und Stifter für diesefromme Bereitstellung der Gnadenbilder maßgebend gewesen sein mögen. Für das19. und 20. Jahrhundert sind es dann, wie man aus den Angaben zu Maria Lourdesund Maria Fatima entnehmen kann, vermögende Privatleute oder einfach die Pfarrergewesen, welche die Aufstellung des jeweils von ihnen verehrten Gnadenbildes füreine größere Öffentlichkeit durchsetzten.

Man kann und soll das weite Feld der Volksfrömmigkeit sicherlich auch vondieser Seite her zu überblicken versuchen. Eine geradezu mathematisch anmutendeÜbersichtstabelle zeigt, wie man das methodisch tun kann, eine mit Farbzeichenbereicherte Karte läßt Häufigkeit oder auch Seltenheit der Gnadenbildertypen klarhervortreten. Literaturverzeichnis und gute Register machen das Buch auch zueinem gediegenen Nachschlagewerk.

Leopold Schmidt

Heilige in Geschichte, Legende, Kult. Beiträge zur Erforschung volkstümlicherHeiligenverehrung und zur Hagiographie. Herausgegeben von KlausWelker. 148 Seiten. Karlsruhe 1979, Badenia Verlag. DM 27,80.

Das Institut für religiöse Volkskunde an der Universität Freiburg im Breisgau istbisher vielleicht nicht im gleichen Ausmaß wie andere Institute durch Veröffent-lichungen hervorgetreten. Umso erfreulicher erscheint es, daß sich nunmehr dieGelegenheit einer Festschrift zur Herausgabe des vorliegenden Bandes ergab. Er istnämlich Professor Wolfgang Müller zum goldenen Priesterjubiläum am 11. März1978 gewidmet. Das besagt schon, daß der Weg der meisten Beiträge am ehesten inkirchen- und frömmigkeitsgeschichtlichen Richtungen führt. Mit der rundum leben-den Volkskunde, wie sie zur Zeit an mehreren Universitäten der Bundesrepublikbetrieben wird, befaßt sich der einleitende Beitrag von Felix Hensel über,, Frömmigkeit in Beharrung und Wandel. Überlegungen zum Verständnis religiös-volkskundlicher Forschung als theologischer Disziplin. Näher an die Forschungs-wirklichkeit führt der Beitrag von Klaus Welker ,, Werke der Erbauungsliteratur( Rippell- Bulffer- Perckmar) in ihrem Aussagewert als Quellen zur Erforschungregionalen Heiligenkultes" heran. Da es sich um schwäbische und elsässische Pre-diger handelt, wird dadurch die ganze südwestdeutsche Frömmigkeitslandschaftgenauer als bisher aufgeschlossen. Nach Württemberg führt die Abhandlung vonDieter Kau über ,, Spätmittelalterliche Heiligenverehrung im kirchlich- religiösen

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