zahlreiche Wüstungen hat entstehen lassen, über die auch bei uns erst Grabungender letzten Jahrzehnte näheren Aufschluß gegeben haben. Die Gutswirtschaft zu Be-ginn der Neuzeit wird nunmehr deutlicher herausgearbeitet, ihr Einfluß auf dieSachvolkskunde könnte von unserer Seite her gewiß noch stärker unterstrichen wer-den. Es hat ja nicht so sehr die mittelalterliche als weit stärker die frühneuzeitlicheLandwirtschaft weitergelebt, auch hinsichtlich der Gerätegestaltung und Geräte-nutzung. Das nützliche Werk wird sich also auch in seiner neuesten Auflage für denkritischen Benützer von der Seite der Volkskunde her gut lesen lassen.
Leopold Schmidt
Karl Gröber, Alte Oberammergauer Hauskunst.
Fotos Paul
Sessner. 144 Seiten, 8 Farbtafeln, etwa 90 Schwarzweißabb. Textzu-sammenfassung in englischer Sprache. Rosenheim 1980, Rosenheimer Verlags-haus Alfred Förg. DM 39,80.
Dieses schöne und gute Buch ist 1930 in erster Auflage erschienen, undoffenbar so unvermindert wertvoll geblieben, daß man es einfach neuauflegenkonnte. Theo Hahn in Oberammergau hat an der Neuauflage mitgearbeitet undeinige Textergänzungen beigebracht, aber im wesentlichen ist es der unentbehrliche,, Gröber, Oberammergau“ geblieben. Unter den vielen jüngeren Sammlern usw.wird es gewiß genügend Interessenten dafür geben.
Leopold Schmidt
Helmut Sperber, Unsere Liebe Frau. 800 Jahre Madonnen-bild und Marienverehrung zwischen Lech und Salzach.192 Seiten, 32, zum Teil vierfarbige Bildtafeln. Regensburg 1980, VerlagFriedrich Pustet. DM 38,-.
Ein Buch über altbayerische Marienwallfahrten aus der Feder eines MünchnerGelehrten, der vor allem als Spezialist der Arbeitsgeräteforschung bekannt ist, magzunächst überraschen. Doch Sperber hat sich, wie Leopold Kretzenbacher in seinemfreundlichen Geleitwort betont, auch als sein Schüler in Seminaren und auf Exkur-sionen genügend mit dem Thema beschäftigt, so daß man ihm gern zubilligen wird,daß er auch in diesem Buch vor allem auf den Spuren seines speziellen LehrersTorsten Gebhard wandelt.
Wenn man die Einzelkapitel und ihre Literaturangaben überprüft, so wird manfeststellen, daß die Nach- und Auswirkungen der nicht zuletzt mit Österreich engverbundenen bayerischen Wallfahrtsforschung der ersten Hälfte unseres Jahrhun-derts reiche Früchte gezeitigt haben. Was Rudolf Kriss stärker von der Seite deswallfahrtenden Menschen und seiner Opfergaben gesehen hat, das hat Gebhard inseinem maßgebenden Beitrag zur Gugitz- Festschrift von 1954 eher von der Seite derGnadenbilder her ins Auge gefaßt. Gleichzeitig erschien die Dissertation von HansAurenhammer( in den Veröffentlichungen unseres Museums 1956), die in vielerHinsicht als die eigentliche Grundvoraussetzung volkskundlich- kunsthistorischer
200