Reiner Hefte für Volkskunde. Jahrgang 1, Heft 1. 74 Seiten vervielfältigt. Rein( Steiermark, 1980. Im Selbstverlag der Gesellschaft zur Förderung der volks-kundlichen Forschung in der Steiermark).
Über die Gründung dieser„ Gesellschaft“ wurde im letzten Heft der ÖZV( 2/1980 S. 120) berichtet. Nunmehr liegt das Heft 1 des 1. Jahrganges der von ihrherausgegebenen ,, Reiner Hefte für Volkskunde“ vor, die hiemit als Zeichen derVerdichtung der volkskundlichen Publizistik im Lande begrüßt werden sollen.
Das Heft, äußerlich sehr schlicht gehalten, ist dem Innentitel nach eine Fest-schrift für Oskar Moser zum 65. Geburtstag. Es enthält im wesentlichen dreiVorträge, die 1979 bei der Gründungstagung in Stift Rein gehalten wurden, nämlichvon Olaf Bockhorn ,, Fahrzeuge und ihre Erforschung als volkskundliche Auf-gabe", von Oskar Moser selbst ,, Aufgaben der volkskundlichen Möbelforschungin der Steiermark" und von dem Münchner Spezialisten Helmut Sperber ,, Pflug-forschung in Bayern“. Drei sehr spezielle, quellenmäßig fundierte Arbeiten, dienicht zuletzt ausführlich über bisherige Literatur und Forschungslage berichten. Zudiesen sehr sachlichen Vorträgen paßt vielleicht das kurze Vorwort von OskarMoser nicht ganz, das unter anderem ausführt: ,, Eine Kulturwissenschaft wie dieunsere kann sich in einer Zeit gewaltiger kultureller Brüche und Umbrüche imMateriellen wie im Geistigen nicht einfach unbeteiligt abseits stellen. Zu deutlichverspüren wir die Verunsicherung der Menschen um uns herum, zu kraẞ schießenVerfremdung und Selbstaufgabe ins Kraut, wächst sich der Identitätsverlust in eineIdentitätskrise aus, die in ein unheimliches Ungewisses treibt. Die wahrhaftinhumane Brutalität uferloser Veränderer zeigt immer unverhüllter ihr tatsächliches,ihr wahres Gesicht." Die Ausführungen über alte Fahrzeuge, alte Möbel und altePflüge haben mit diesen kulturpessimistischen Äußerungen kaum etwas zu tun. Eswird sich zeigen, welche Tendenzen weiterhin in der steirischen Volkskunde vor-wiegen werden.
Leopold Schmidt
in
Herrad Spielhofer, Sanierung, Um-, Zu- und Ausbau vonerhaltungswürdigen ländlichen WohnhäusernÖsterreich(= Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen,Monographie 28). Vom Bundesministerium für Bauten und Technik geförderteUntersuchung der Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen.Großquart, 186 Seiten mit zahlreichen Abb. und Planzeichnungen. Graz 1980,Leopold Stocker Verlag.
Der Anteil der Architekten an der österreichischen Bauernhausforschung warimmer groß. Von Anton Dachler bis Adalbert Klaar führt hier eine kräftig markierteSpur. Daß diese und andere Architekten sich nicht selten auch darüber Gedankengemacht haben, wie die von ihnen aufgenommenen bäuerlichen Gebäude auchlebendig erhalten bleiben könnten, ist beinahe selbstverständlich. Von maßgeben-dem Einfluß waren solche Überlegungen, wie die tatsächlich durchgeführten Um-bauten zeigen, offenbar kaum jemals.
197