Einem ,, Zug der Zeit“ entsprechend erscheinen derzeit viele Sammelbände vonalten Ansichtskarten und privaten Photographien über jeweils einen Ort, manchmalüber eine Kleinlandschaft. Die Qualität dieser alten Bilder ist meist nicht sehr gut,aber es handelt sich um Dokumente, besonders für Orte, die kaum über künstle-rische Darstellungen verfügen.
Auch das ganz im Einzugsgebiet des nördlich der Donau gelegenen Teiles vonWien befindliche Langenzersdorf am Fuß des Bisamberges hat nunmehr durch denMuseumsverein des Ortes einen derartigen Bildband bekommen. Siedlungs- undHausbilder aus der Zeit um die Jahrhundertwende machen mit dem alten Straßen-dorf genügend bekannt. Manches Bauernhausbild verdient mehr Beachtung, bei-spielsweise Abb. 49 der Hof mit dem bemerkenswerten Taubenschlag. Sonst wirdman Bilder der Menschen, der Gruppen und ihrer Bräuche und Feste am ehestensuchen und auch einige finden. So Abb. 8 die Ratschenbuben( 1916), Abb. 36 dieRekruten nach der Assentierung( 1914), dann Abb. 66 die Männer nach der Grenz-begehung( 1938), und umgekehrt die Frauen Abb. 81 bei der Fahnenweihe( um1900). Eine Abb.( 85) zeigt Frauen bei einem Weinlesefest( 1925), eine andere( 87)eine Gruppe aus einem von der Feuerwehr veranstalteten Faschingszug( 1928). Undschließlich ist man für das Bild von der schlichten ,, Waldandacht“( 129) von 1938dankbar, das eines der für die engere Umgebung Wiens so bezeichnenden Klein-heiligtümer zeigt. Die Bilder sind im Anhang gut kommentiert, sogar mit einem sorg-fältig bearbeiteten Anmerkungsteil.
Leopold Schmidt
Anna Barth, Agrarpolititk im Vormärz. Die SteirischeLandwirtschaftsgesellschaft unter Erzherzog Johann(= Grazer Rechts- und Staatswissenschaftliche Studien, Bd. 37) 141 Seiten.Graz 1980, Leykam Verlag. S 190,-.
Es ist immer wieder gut, einen Blick auf die benachbarten Disziplinen zu wer-fen. Besonders die Rechtsgeschichte, wie sie etwa in Graz von Hermann Baltl ver-treten wird, steht uns manchmal unvermutet nahe.
Auch diese Dissertation aus dem Jahre 1969 ist nunmehr durch die Bemühun-gen Hermann Baltls in Graz erschienen. Eine offenbar sehr gewissenhafte Aufar-beitung des Erzherzog- Johann- Materials im Hinblick auf die ungemein bedeutsameTätigkeit der Steirischen Landwirtschaftsgesellschaft. Da tun sich Einblicke in dieältere Landwirtschaft, in Viehzucht, Obstbau, ja Bienenhaltung auf, die man nichterwarten würde. Daß in einem Kapitel über„ Preisfragen und Prämien“ trachten-geschichtliche Mitteilungen enthalten sein könnten, würde man kaum glauben. Aberdie als ,, Prämien“ ausgesetzten„ Dienstbotenhüte“, die ihrer ganzen Art nach zurErhaltung der älteren Tracht dienen sollten, und die man bewährten Dienstbotensogar noch auf den Sarg legte( S. 95), die stellen doch einen sehr markanten Hinweisdar, nach welchen Richtungen man beispielsweise bei einer historischen Trachten-forschung noch ausgreifen könnte.
Leopold Schmidt
196