Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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vor allem deutsch, englisch oder auch französisch veröffentlichen. In diesem Fall hatsich das rege Debrecener Institut für Volkskunde dazu entschlossen, der wohl-bekannten, inhaltsreichen Zeitschrift ,, Müveltség és Hagyomány eine Buchreihebeizugeben, in der nun Arbeiten in den genannten Sprachen erscheinen. Der vor-liegende erste Band zeigt, was die Schüler und Nachfolger von Béla Gunda leisten.Es sind weitgehend seine Arbeitsgebiete, die sie weiterpflegen: Also Landwirt-schaft, Kartoffelanbau, Laubfutter, Extensive Schweinezucht, aber auch Bauern-haus, wie in der Arbeit von Laszlo Dám ,, Zur Frage der Genese des ungarischenHauses". Geräte und ihre Verwendung werden untersucht, so von Attila SélmecziKovács Der Garbenbindestock im Karpathenbecken". Beziehungen zu denteilweise weit nach Ungarn eingewanderten Südslawen finden sich in denArbeiten von Vilmos Voigt und von György Mody behandelt. Zum altenVolksbrauch zählen die Regös- Bräuche, über welche Gabor Bárna gearbeitethat. Die Möglichkeiten der Veränderung von Volksbräuchen und Riten"behandelt der Herausgeber Zoltán Ujváry. Es sind auf der Hand liegendeBeobachtungen zur Gegenwartsvolkskunde, die hier mitgeteilt und beurteiltwerden. Schließlich kommt auch die volkskundliche Museologie nicht zur kurz:Albert Kurucz hat über Parallelen und Unterschiedlichkeiten in der wissen-schaftlichen Konzeption der mitteleuropäischen und ungarischen ethnographischenFreilichtmuseen" geschrieben. Ein inhaltsreicher 1. Band also, dem man vieleebenso gute Nachfolger wünschen darf.

Leopold Schmidt

Jeannine Auboyer, Michel Beurdeley, Jean Boisserlier, Chantal Massonaud, Hu-guette Rousset, Handbuch der Formen- und StilkundeAsien. 604 Seiten, 2000 Abb.( Zeichnungen) im Text, Glossar, Karten.Stuttgart 1978/80, Verlag W. Kohlhammer. DM 69,-.

Vor fünfzig, sechzig Jahren hätte die damals übliche vergleichende Volks-kunstforschung sicherlich einen gewissen Gewinn von diesem sehr dichtgearbeiteten, überaus reich illustrierten Handbuch haben können. Beim Durch-blättern fallen ja sogleich Motive der, angewandten Kunst auf, die zu Volkskunst-motiven Beziehungen aufweisen. Also etwa der figural belebte Vasensproß aufeinem Pilaster in Anuradapura( Sri Lanka)( 109/26), oder dem kostbaren Betel-behälter aus Mandalay in Vogelform( 157/112), dem irdenen Kopfgefäß ausThailand( 198/169), dem glasierten Vogelreiter- Gefäß aus Savankebok, Thailand( 199/177), der glasierten Schüssel mit den zwei gegengleichen Fischen im Fonds ausSingapur( 201/186), der Gottheit auf dem Hahn reitend, aus Holz geschnitzt, ausVat Kompong Prah, Kambodscha( 250/80) oder dem Gießgefäß in Entenform ausSteinzeug, Korea( 505/85).

Heute wird eine derartige vergleichende Volkskunstforschung kaum mehrbetrieben, man ist historisch genauer, in den räumlichen Bezügen sorgfältiger

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