muß ihr Geisteserbe archiviert,„ erhalten“ bleiben zumindest auf Tonband und inschriftlichen Darstellungen vielerlei Art. Wohl besteht und arbeitet das ,, Institut fürostdeutsche Volkskunde“, das Lebenswerk von Prof. Dr. Johannes Künzig undseiner Frau, Dr. Waltraud Werner- Künzig, in Freiburg. Es besteht auch die„, For-schungsstelle Karasek“, vormals in Bischofswiesen, so wie es ein„, Haus derDonauschwaben“( in Sindelfingen) mit reicher Bibliothek und Dokumentensamm-lung gibt. Aber nur an ganz wenigen Stellen wurde die Überfülle der Briefe, derSchicksalsberichte, der Suchmeldungen, Erlebnis- Memoiren usw. gesammelt. Diesaber ist eine Voraussetzung für 1. die Erforschung der ,, Volkskultur“ jener einst inder ,, Sprachinsel- Volkskunde" Erfaßten und 2. des kulturellen Erbes der Rück-siedler zwischen der Form des Mitgebrachten und jener des daraus in nunmehrJahrzehnten in anderem Umgrunde Gewordenen, z. T. in der Geistes- und Gemüts-haltung der ,, Nostalgie“ und„, Identitätsfindung", wie es die Modewörter begreifenmöchten, Selektierten. Es gibt Heimatblätter und-blättchen in unglaublicher Fülle.Aber in Evidenz, die auch wissenschaftliche Benützung zur Forschung ermöglicht,gehalten werden sie m. W. nur an zwei Stellen: für den nordostdeutschen Raum zuHerne, für den zumal den Raum der alten Donaumonarchie und ihre Nachbar-länder, freilich ausgedehnt bis zum Wolgadeutschtum von einst, ist diese Sammlungbewundernswert für den Benützer erstellt im genannten Freiburger Institut. EineEinleitung zu den beiden stattlichen Bänden erläutert Notwendigkeit und Anliegendieses Kataloges parallel zur Universitätsbibliothek von Freiburg i. B., geführtebenfalls unter besonderem Siegel in der Preußischen Staatsbibliothek, erarbeitetfür bibliographische Hilfe mannigfacher Art als Dokumentation einer Präsenz-bibliothek mit einer bis nach Übersee reichenden Hilfestellung neben den sonstigenso vielfachen und vielseitig geleisteten Arbeiten des Institutes. Jedes der hiererfaßten nicht weniger als 481( vierhunderteinundachtzig!) Blätter- Periodica,alphabetisch in der Reihe, ist nach Format und Standortnummer, nach Bestand undwo immer möglich nach Herausgebernamen und Redaktionsort verzeichnet. Eineüberaus dankenswerte Leistung!
Leopold Kretzenbacher
Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichendenErzählforschung. Herausgegeben von Kurt Ranke. Bd. 3, Lieferung 1.288 Spalten. Berlin 1979, Verlag Walter de Gruyter.
Die ,, EM", wie man sich langsam zu sagen angewöhnen wird müssen, diesesgrößte Unternehmen unseres Faches zur Zeit, ist erfreulicherweise bereits beim3. Band angelangt. Wieder findet man mit Vergnügen viele notwendige Artikel,wieder sehr zahlreiche Biographien von Erzählforschern aus aller Welt, über dieman sonst sich kaum leicht Kenntnis verschaffen könnte. Wer nur ,, Märchen" sucht,wird einigermaßen suchen müssen: Etwa ,, Cinderella“, was unter ,, Aschenbrödel"noch nicht zu finden war, oder„, Corvetto", mehr aus Basiles ,, Pentamerone“ als ausanderen Quellen bekannt.
Die„ EM" macht es dem Benützer nicht eben leicht. Wer beispielsweise,, Aelian" sucht, findet ihn nun unter„ Claudius Aelianus", und wer sich über
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