Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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Bayern, das heißt vor allem Altbayern, ist und bleibt offenbar das gelobte Landder Bauernmöbelforschung. Wenn man bedenkt, was von Franz Zell angefangenüber Josef M. Ritz, Torsten Gebhard, Gislind Ritz, Walter Fuger usw. schon ge-sammelt, untersucht und veröffentlicht wurde, bleibt es doch geradezu zu verwun-dern, was ein weiterer Band eines Bearbeiters, der bisher noch nicht hervorgetretenist, an Neuem zu bieten vermag.

Freilich, es handelt sich um Niederbayern, um das flache schwere Bauernlandzwischen Isar und Inn, im Norden durch die Donau vom Bayerischen Wald abge-grenzt. Einem Kerngebiet von Altbayern, das Außenstehenden vermutlich in denletzten Jahrzehnten nur durch die Wallfahrtforschung nähergebracht wurde. RudolfKriss hat ja einst von diesem Land um Vils und Rott von einem Zentrum der alt-bayerischen Volksfrömmigkeit gesprochen. Wer das nicht weiß, der kommt auchmit diesen bemalten Bauernmöbeln, die hier von Siegfried Seidl vorgestellt werden,schwerlich zurecht, denn der bei weitem größte Teil ihres Dekors ist durch dieVolksfrömmigkeit bestimmt. Immer wieder Jesus, Maria und die heiligen Namens-patrone, das ergibt die meisten Figuraldarstellungen. Dazu selbstverständlich genugan Symbolik, an den herkömmlichen Christus- und Maria- Monogrammen, nebenund über den vielen Blumensträußen, welche alle diese Kasten und Truhen alsHochzeitsmöbel ausweisen.

Siegfried Seidl hat sich nach Erfassung des meist in Privatsammlungen und Hei-matmuseen befindlichen Materials bemüht, eine landschaftliche Gruppierung her-auszuarbeiten, wobei die Karte( S. 12/13) acht derartige Möbellandschaften ergibt,denen Seidl auch eine beachtliche Anzahl von örtlich bezeugten Tischlern zuordnenkonnte. Gewiß ist ein kleiner Teil dieser Möbel wohl auch eingewandert, vermutlichauf den Wasserwegen der Salzach und des Inn, denn manche Stücke sehen doch nachSalzburg oder nach Tirol aus. Gewiß haben manche Besteller wohl auch Vorlagenzur genauen Verwendung den Malern übergeben, wie man etwa bei dem ganzgraphisch gearbeiteten eintürigen Kasten von 1734( Abb. 171) meinen möchte. Imallgemeinen aber waren die Besteller zufrieden, wenn ihnen ihre Namenspatroneoder sonstigen Schutzheiligen nach geläufigen Andachtsbildchen auf die Kasten-türen gemalt wurden. Die meisten sind ikonographisch festgestellt. Im Fall desKastens aus Thannhöcking bei Landau an der Isar( Abb. 22) möchte man an dieHeiligen Ignaz von Loyola und Johann von Nepomuk denken. Weltliche Figuren,Szenen, Genrebilder sind die Ausnahmen. Ein zeitgeschichtlich bemerkenswertesStück: Die erste deutsche Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth( Abb. 69) auf einemKasten aus dem mittleren Vilstal. Weltliche Rokokoszenen, offenbar nachgraphischen Vorlagen und mit entsprechenden Versen wie die auf dem Kasten vonVilshofen( Abb. 88) sind vielleicht nicht örtlich entstanden, so vereinzelt stehen sieda. Aber auch der Maler von Pfarrkirchen mit den ganz exakten Kirchturm-darstellungen( Abb. 123-126) muß doch eine Ausnahme gewesen sein. SeinGegenstück, der Maler bunter Vögel auf dem Kasten aus der Nähe von Thanndorfbei Arnstorf könnte auf eine ganz andere Möbellandschaft hinweisen. In diesem Fallfällt so wie in einigen anderen Fällen die rein weltliche Motivdarstellung auf: Siebegegnet uns sonst doch nur bei den sehr guten Truhen mit den rein geometrischenOrnamenten, die ganz offensichtlich über den Inn hinüber nach Eferding grüßen.Tatsächlich sind evangelische Siedler aus Oberösterreich damals in die gleichfalls

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