Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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auf, sonst wie immer Kavaliere, Damen, Spinnerinnen, Liebeskutschen, aber auchScherenschleifer, Türken, Jäger und Grenadiere. Köstlich die Ritterfigur( 59), diean Volkstheater um 1800 erinnert. Ein Grenadier als Geiger( 62) ist auch einseltener Fall, wogegen Bären und Krampusse als Kinderbringer häufiger vorkom-men. Von den Tieren sei der immer wieder gebotene Hirsch mit der Rübe imÄser genannt, aber auch der Hahn, auf dem groteskerweise sogar einmal einFuchs als Hahnreiter( 75) aufsitzt. Neben Fischen, Pistolen und Bestecken auchTrompeten und Waldhörner, Kränze und Sterne und schließlich( 110) sogar der,, Vogel Selbsterkenntnis, der sein eigenes Brustgesicht bei der Nase nimmt. Dievon Albert Walzer einst so betonte Abhängigkeit der Modelstecher von derGraphik erweist sich auch hier ganz deutlich. Mit solchen wertvollenEinzelstücken wird das schöne Buch also auch quellenmäßig durchaus von Nutzen

sein.

Leopold Schmidt

Der Leobener Strauß. Beiträge zur Geschichte, Kunstgeschichteund Volkskunde der Stadt und ihres Bezirkes. Bd. 7. Leoben1979. 184 Seiten, mit zahlr. Abb.

Auf dieses neue Jahrbuch, das vom Kulturreferat der Stadtgemeinde Leobenunter der Schriftleitung von Günther Jontes herausgegeben wird, war bereitsgelegentlich hinzuweisen. Nunmehr liegt schon der 7. Band vor, und hier kommtauch wieder die im Untertitel genannte Volkskunde nicht zu kurz.

Helmut Eberhard hat nämlich einen stattlichen Beitrag Der Mirakelzyklusin der Wallfahrtskirche Maria Freienstein beigesteuert, der ein praktisch bisherunbekanntes Denkmal der Wallfahrtsgeschichte erschließt. Wenn nicht LeopoldKretzenbacher 1960 einmal auf das auf einem dieser Bilder dargestellten Sonn-wend- Scheibenschlagen hingewiesen hätte, würde es über den auch malerisch sehrbemerkenswerten Zyklus in der barocken Wallfahrtskirche bei Leoben überhauptkeine Literatur geben, nicht einmal einen Dehio- Hinweis. Helmut Eberhard hatnun die 7 Tafeln mit den 23 darauf dargestellten Mirakeln genau aufgenommenund durchgearbeitet, wodurch sich sehr bemerkenswerte Einblicke in das Volks-leben des 17. und 18. Jahrhunderts ergeben.

Der Band enthält aber auch einen schönen Beitrag von Günther Jontes überdie Glocken und Orgeln von Leoben, wobei die Glockenaufschriften mitberück-sichtigt erscheinen. Und Herta Neunteufl hat ausführlich, Leobener Kochbücherdes 18. Jahrhunderts" behandelt, als Zwei Dokumente altsteirischer Koch-kunst", wobei sich wieder zeigt, daß in der Steiermark auf diesem Gebiet derKulturgeschichte zur Zeit ganz besonders eifrig gearbeitet wird. Aus dem Kapitel,, Die beiden Kochbücher als sprach- und kulturgeschichtliche Zeugnisse" istmanches zu lernen. Die Altertümlichkeit der Küchensprache kommt da einmalmehr zur Geltung.

Leopold Schmidt

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