und gelegentlich sogar des äußeren Widerstandes( Alkoholsteuer, Begräbnisver-ordnungen, Wallfahrtswesen) bei oftmals auch dabei gegebener Durchführungs-bereitschaft unterschieden. So mußte es, nicht anders als Jahrhunderte zuvor imGefolge der räumlich und zeitlich mit sehr bedeutsamen Intensitäts- und Zeit-phasenverschiebungen und-verzögerungen wirksam gewordenen Reformen nachdem Tridentinum, zu durchaus unterschiedlichen Folgeerscheinungen dessenkommen, was wir im Bereich der Religiösen Volkskunde„ Josephinismus“nennen. Gerade das aber ist in dieser Dissertation sehr gut und mit einprägsamenArchivdokumentationen aus dem Wiener Diözesanarchiv, aus jenem der Schottenund aus dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv( Dokumentationsübersicht 309 ff.;Dokumentenauswahl 105-291) herausgekommen. Aus ihnen tritt nicht so sehr,, das Volk", sondern die Geisteshaltung seiner obersten Schichten, oft genugüberhaupt nur die des Souveräns, sei es Maria Theresia, sei es Joseph II. oder seinNachfolger hervor. Die Archivalien spiegeln Maria Theresias und Josephs II.Grundanliegen, den religiös- volkstümlichen Überschwang des Barock zurück zuführen in ein ,, gereinigtes Christentum, dessen der Aufklärung gemäße Form dasStaatskirchentum, wie es ja bis in die Erste österr. Republik deutlich genugnachwirkte!, sein sollte. Das Erfassen dieser Vorgänge konnte in der Material-aufbereitung tatsächlich zu einer interdisziplinär- kulturgeschichtlichen wiereligionspsychologischen Schau führen, aus der neben der Volkskunde auchPolitik- und Gesellschaftswissenschaften Erkenntnisse gewinnen können, zumal essich nahezu ausnahmslos eben nicht um eine Evolution des geistig- geistlichenLebens, schon gar nicht um eine Revolution, vielmehr nur um„ Verordnetes"handelte, dem sich nach und nach breiteste Schichten der damaligen Gesellschaftund dies keineswegs nur in Widerstandshaltung- aus Überzeugung oder ausder Vorsicht des Bürgers im Untertanenstaat, dessen Dynasten ,, alles für dasVolk, aber nichts durch das Volk" erreichen wollten, anzupassen wußte.
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Diese materialreiche Dissertation wird sozusagen als„ Voraus- Ergänzung"besonders denen gute Dienste leisten, die heuer im Jubiläumsjahr zu den großenAusstellungen über Maria Theresia, über Joseph II. und sein Wirken, über Adel,Bürger und Bauern zur Zeit des Absolutismus in Wien und in Niederösterreichströmen werden, eine für die Kultur- und Geistesgeschichte nicht nur Wiens unddes Rest- Österreichs, sondern für weite Bereiche auch des europäischen Ostensund Südostens wesentliche Epoche in vielfältiger auch außerliterarischer Doku-mentation kennenzulernen. Das neuerdings für die Volkskunde verstärkteInteresse an dieser so tief umprägenden Zeit ist im Wachsen. Man darf dazu auchden Sammelband ,, Die Aufklärung in Ost- und Südosteuropa. Aufsätze, Vorträge,Dokumentationen“, hrsg. v. E. Lesky, Str. K. Kostić, J. Matl, G. von Rauch,redigiert v. H. Ischreyt, Köln- Wien 1972, rechnen.
Leopold Kretzenbacher
Hugo von Preen. Katalog der Ausstellung zu seinem 125. Ge-burtstag im Heimathaus Braunau. Unpag., mit vielen Abb.,Braunau, Stadtverein( Obmann Heribert Hillebrand) 1979. S 70,-.
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