fallend altertümliche Schnittformen, die in die Zeit der Ansiedlung zurückweisen.Das kann vor allem von der Frauenfesttracht gesagt werden, deren Schnitt dergotischen Mode entstammt. Spätere Zutaten verwischten allerdings diesen Ein-druck nach außen hin.
Von besonderem Reichtum sind die geistigen Überlieferungsgüter derGottscheer, die in erster Line von den Frauen bewahrt wurden. Sagen und Mär-chen, Legenden und Schwänke, Sprüche und Kinderreime wurden seit dem19. Jahrhundert aufgezeichnet und veröffentlicht. Das Volkslied aber ist zweifel-los das großartigste kulturelle Erbe, das wir den Gottscheern zu danken haben.Hunderte von Liedern darunter allein über hundert verschiedene Balladen,wurden gesammelt und konnten in den Archiven geborgen werden.
Nach dem Jugoslawienfeldzug 1941 wurde zwischen dem Deutschen Reichund Italien ein Umsiedlungsabkommen beschlossen, das die Aussiedlung derGottscheer zur Folge hatte. Man siedelte sie in der südöstlichen slowenischenUntersteiermark an, aus der vorher die slowenische Bevölkerung vertriebenwurde. 1945 erfüllte sich das Schicksal der Gottscheer. Sie versuchten viel zu spätnach Österreich zu fliehen, manche wollten in die alte Heimat zurückkehren; mitVerfolgung, Not und Tod, Flüchtlingselend und Armut mußten sie für die Irrwegeder großen Politik bezahlen. Heute leben viele Gottscheer und ihre Nachkommenin den Vereinigten Staaten, in Kanada, Australien, ja in Südamerika. Eine großeZahl aber hat in Österreich und in Deutschland eine neue Heimat und durchFleiß und Intelligenz eine neue Existenz gefunden. Ihre eigenständige Kultur istfreilich verloren; was nicht in Archiven und Museen in letzter Minute geborgenwerden konnte, wird bald vergessen sein.
Aus dieser Situation erklärt sich die Bedeutung der Gottschee- Sammlung desÖsterreichischen Museums für Volkskunde, die noch im vorigen Jahrhundertbegonnen und in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts wesentlich vermehrtwurde.
Maria Kundegraber
Fritz- Schumacher- Medaille für das Museum Tiroler Bauernhöfe in Kramsach
Wie erst jetzt durch die Veröffentlichung einer eigenen Broschüre derStiftung F. v. S. zu Hamburg bekannt wird,') wurde dem Museum TirolerBauernhöfe in Kramsach in Tirol am 12. Mai 1978 die Fritz- Schumacher-Medaille in Gold 1978 verliehen. Die Broschüre bringt nach der Begrüßungsan-sprache durch den Obmann des dortigen Museumsvereines Präsidenten Abge-ordnete Hans Astner eine„, Würdigung des Museums Tiroler Bauernhöfe" durchden Generaldirektor Dr. Albert Kurucz, Szentendre( Ungarn), und das deshalb,weil nämlich am 17. September 1978 eben diesem Ethnographischen Freilicht-
¹) Privatdruck ohne Ort, Jahr und Verlagsangabe. 44 Seiten mit mehrerenAbb. und den Faksimiles der Stiftungs- Urkunden.
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