Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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Die heutige angewandte Kunst bemüht sich, Traditionen der lettischen Volks-kunst in die Gegenwart zu führen und weiter zu entwickeln. In der Weberei undKeramik, aber auch bei der Herstellung von Bernsteinschmuck und Ledergegen-ständen ist das Bemühen der Künstler um Kontinuität und Tradition festzustellen.Felix Schneeweis

Volkskunde der Gottscheer

Sonderausstellung im Schloß Kittsee vom 22. März bis 13. Juli 1980

Die Sammlung des Österreichischen Museums für Volkskunde, Wien, aus derehemaligen deutschen Sprachinsel Gottschee in Slowenien

Bis zum Ersten Weltkrieg gehörten die Gottscheer Hausierer zum Erschei-nungsbild der größeren Städte der Monarchie. Sie boten aus ihren BauchlädenSüdfrüchte oder Süßigkeiten an, die meistens in Form eines Glücksspieles ange-boten wurden. Die Heimat dieser Männer war das Gottscheer Ländchen in Unter-krain, ihre heimatliche Sprache ein altertümliches Deutsch, das an ihre Urheimatin Oberkärnten und Osttirol erinnert. Als Zeit der Ansiedlung im bewaldetenKarstgebiet südlich von Reifnitz( Ribnica) nahe der kroatischen Grenze gelten dieJahre um 1330. Wenige Urkunden sind erhalten, die von diesem Siedlungs-geschehen Kunde geben könnten.

Durch die Türkeneinfälle seit 1469 wurde die wirtschaftliche Lage der Bauernund der Bewohner des Städtchens Gottschee verschlechtert, der karge Bodenkonnte die dort Lebenden nicht mehr ernähren. Um ihnen zu helfen, verliehihnen Kaiser Friedrich III. im Jahr 1492 ein Hausierhandelspatent", das ihnenden Handel mit selbsterzeugten Waren erlaubte. Sie verhandelten Vieh, Leinwandund Holzwaren in die nahen Adriahäfen Fiume( Rijeka) und Bakar. Als Rück-fracht brachten sie bald auf ihren Saumrossen Meersalz und nicht verderblicheSüdfrüchte mit. Mit diesen wieder zogen sie gegen Norden und Nordosten underoberten sich nach und nach den einschlägigen Markt in der ganzen Monarchie.

Von wirtschaftlicher Bedeutung wurden auch die Erzeugnisse ihrer Haus-industrie, für die sie in den großen Wäldern verschiedene Hölzer fanden, die siezu Gebinden, Mulden, Arbeitsgeräten und Wiegen verarbeiteten. Damit beliefer-ten sie nicht nur die Märkte im nahen Kroation und Slowenien, sondern auchfernere Länder der Monarchie, vor allem auch das dalmatinische Küstenland.

Die landwirtschaftliche Arbeitsweise wurde durch die Bodenverhältnissebestimmt, die einen intensiven Landbau im modernen Sinn nicht zuließen. Da dieumwohnenden Slawen in der gleichen wirtschaftlichen Lage waren, unterscheidensich ihre Geräte und Arbeitsbehelfe in der Regel nicht von denen der Gottscheer.Dasselbe kann von den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden gesagt werden.

Die Gottscheer Trachten zeichnen sich durch ihre Altertümlichkeit aus; zumbodenständigen, selbst erzeugten Material( Leinen und Wollstoffe) treten auf-

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