Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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Gewiß arbeitete von Spieß auch nach seinem Hauptwerk weiter. Die beidenmächtigen Bände der Marksteine der Volkskunst und der anderthalb Jahr-zehnte später noch erschienene schmälere Band Neue Marksteine" bezeugtenseine Ausgriffe nach immer weiteren Themen aus jener, mythischen Welt. DieForschung auf dem Gebiet der bildenden Volkskunst ist ihm stets nur zögerndgefolgt, obwohl sicherlich mehr an Sammlern und Bearbeitern von ihm beeinflußtwaren, als man sich zugeben mochte. Aber das jeweilige Absinken in eineneigentlich nicht sehr fruchtbaren Positivismus war vielleicht eine fast notwendigeFolgeerscheinung jener Art von mythologischer Interpretation, die von Außen-stehenden mitunter als Deutung angesprochen wurde. Dem hat von Spießimmer kräftig widersprochen: Er wollte nicht deuten, sondern nur klarmachen,daß die Dinge jener Volkskunstwelt ihre eigene, Bedeutung" besaßen, ja besitzenmußten, wenn sie überhaupt einen eigenen Wert haben sollten. Und das isteigentlich im Grunde auch das Wesentliche geblieben: Man brauchte der,, mythologischen Interpretation", wenn man vereinfacht so sagen will, nichtunbedingt zu folgen; aber man mußte und konnte anerkennen, daß die Werke derbildenden Volkskunst eigenen Gesetzen folgten. Dafür hat Karl von Spieß dieGrundlagen gelegt, und das sei zu seinem Angedenken hundert Jahre nach seinerGeburt noch einmal dankbar ausgesprochen.

Leopold Schmidt

Verein und Österreichisches Museum für Volkskunde

Die ordentliche Generalversammlung 1980 des Vereins für Volkskunde inWien wurde termingerecht innerhalb des ersten Jahresquartals am Freitag, dem14. März 1980, um 17 Uhr im Festsaal der Hochschule für Musik und darstellendeKunst, Wien I, Seilerstätte 26, bei starker Beteiligung von Vereinsmitgliedern ausWien und aus den Bundesländern abgehalten. Es wurde folgende Tagesordnungabgehandelt: 1. Jahresbericht des Vereins und des Österreichischen Museums fürVolkskunde für das Jahr 1979, 2. Kassenbericht des Vereins für das Jahr 1979,3. Bestellung der Mitglieder des Vorstandes, des Ausschusses und des Kontroll-organs, 4. Bestätigung von Korrespondierenden Mitgliedern, 5. Allfälliges.

1. Jahresbericht des Vereins und des Österreichischen Museums für Volkskundesowie der Arbeitsgemeinschaften des Vereins für das Jahr 1979

A. Verein für Volkskunde in Wien

a) Mitgliederbewegung: Der Mitgliederstand des Vereins für Volks-kunde in Wien hat mit Jahresende 1979 die Zahl 707 erreicht, womit die seitlängerem angestrebte Grenze von siebenhundert Mitgliedern überschritten werdenkonnte. Bei insgesamt 41 Neuanmeldungen und 31 Abgängen( 5 Todesfälle,15 Austritte, 11 Streichungen) ergibt das einen reinen Zuwachs von 10Mitgliedern gegenüber dem Stand des Vorjahres. Der Verein hat das Ableben der

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