gaben der dichterischen Werke Fontanes nicht aufgenommen, und daher erscheint esbesonders nützlich, daß der Verlag Diederichs sie durch Neudrucke der Original-fassungen zugänglich macht. Daß hier überhaupt darauf hingewiesen wird, soll denFontane- Leser im Publikum der Volkskunde darauf hinweisen, daß es bei Fontaneimmer auch Volkskundliches zu lesen gibt. Er hat in der Art seiner Zeit Land undLeute mit zur Kenntnis genommen, also im Kriegsbuch von 1866 selbstverständlichBöhmen, von dem die größere deutsche Öffentlichkeit vorher recht wenig wußte.Ein erster Versuch in dieser Hinsicht wurde ja geradezu gleichzeitig erarbeitet: 1872erschien das schmale, aber inhaltsreiche Buch von Richard Andree, TschechischeGänge. Böhmische Wanderunge und Studien, Bielefeld und Leipzig, und zwar be-reits mit einer Sprachenkarte von Böhmen. Für den genaueren Interessenten magder Vergleich der Darstellung Andrees mit den Skizzen Fontanes nützlich sein. Hiersei nur noch auf die vorzügliche Bebilderung des Werkes mit den Holzstichen nachZeichnungen von Ludwig Burger hingewiesen. Sie sind während des Feldzuges anOrt und Stelle entstanden und bezeugen einen außerordentlich hochstehenden Bild-journalismus jener Zeit.
Leopold Schmidt
René Meurant, Géants processionnels et de cortège
en
Europe, en Belgique, en Wallonie.(= Commission RoyaleBelge de Folklore, Section Wallonne, Collection Folklore et Art populaire deWallonie, Bd. VI), 646 Seiten, mit zahlreichen Abb. Brüssel 1979, Ministèrede la Culture Française.
René Meurant, Schriftsteller und Forscher neben seinem Privatberuf, ist 1977im Alter von 72 Jahren gestorben. Er war allenthalben als der Erforscher derUmgangsriesen in Belgien bekannt, hat im Lauf eines halben Jahrhunderts einegroße Anzahl von Artikeln darüber geschrieben, in denen er sich, gewiß nicht ohneBeeinflussung durch die sich modernisierende Volkskunde, immer mehr zu einemsystematischen Darsteller der örtlichen und landschaftlichen Formen der Umgangs-riesen entwickelte. Seine vielen Spezialartikel sind in der verschiedensten Zeit-schriften und Zeitungen erschienen und daher für den Außenstehenden, vor allemaußerhalb des ungemein publikationsfreudigen Belgien, beinahe unerreichbar. Eswar daher ein schöner, ein nutzenversprechender Gedanke der Belgischen Volks-kundekommission, diese verstreuten Artikel in einem Band zusammendrucken zulassen, mit allen Kärtchen, Abbildungen und den sehr zahlreichen Anmerkungen,die besonders deutlich beweisen, wie sehr sich Meurant bemüht hat, auch die ihmferner liegende Literatur zu erfassen. Der Präsident der Kommission, AlbertDoppagne, hat den Band eingeleitet, Jean Dugnoille hat Leben und Werk Meurantsin einer Einleitung umrissen. Jean- Pierre Ducastelle, Jean Dugnoille undJean- Marie Duvosquel haben sich bemüht, eine vollständige Bibliographie der sehrverstreuten Veröffentlichungen Meurants zusammenzubringen. Ein Register, dasman bei diesem so stoffreichen Sammelband wohl gern gesehen hätte, muß manleider vermissen. Man kann aber auch so für diese posthume Gabe Meurants, desgroßen Spezialisten, wohl nur dankbar sein.
Leopold Schmidt
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