Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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Leander Petzoldt,( Hg.), Magie und Religion. Beiträge zu einer Theorieder Magie(= Wege der Forschung Bd. 337) XVI und 443 Seiten. Darmstadt1978, Wissenschaftliche Buchgesellschaft. DM 75,-

Die Sammelbände der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft in Darmstadt sindmeist sehr nützlich. Bieten sie doch Zusammenstellungen von Abhandlungen, dieman sonst kaum überblicken könnte, deren man unter Umständen gar nicht mehrhabhaft werden kann, und all das, wie man lobend hervorheben muß, bei fremd-sprachigen Erscheinungen in guten deutschen Übersetzungen.

Das gilt alles auch für den vorliegenden Band, der ein schwieriges, wenn auchfür uns vielleicht gar nicht mehr so aktuelles Thema zu erschließen versucht. Essind religionswissenschaftliche und ethnologische Abhandlungen nach JamesGeorges Frazer, also aus den letzten siebzig Jahren etwa, in denen man die,, animistischen Theorien allmählich durch neue Sachlichkeit, mitunter freilichauch nur durch neue Wörter wie ,, Präanimismus oder, Animatismus zu über-winden versuchte. Petzoldt erschließt dieses Kapitel der Wissenschaftsge-schichte durch seine Einleitung, in der er auch begründet, warum zumindest zweirein volkskundliche Abhandlungen mit aufgenommen wurden. Der Forschungs-geschichte nach läßt er zunächst Lucien Lévy- Bruhl sein Gesetz der Teil-habe von 1910 noch einmal vortragen. Dann kommt der einstmals in Wien tätigeprotestantische Theologe Karl Beth mit seinem ,, Verhältnis von Religion undMagie von 1914 zu Wort. Beth sollte in unserer Forschungsgeschichte nichtvergessen werden, er hat auch namhaft zum Handwörterbuch des deutschenAberglaubens beigetragen. Der Bonner Religionshistoriker Carl Clemenscheint mit ,, Wesen und Ursprung der Magie" von 1921 auf. Eine Wende bahntesich 1922 durch Die psychologische Bedeutung magischer Bräuche" von TheodorWilhelm Danzel an. Das ist deutlich die Geisteswelt, in der damals HansNaumann und Adolf Spamer lebten. Anschließend kommt der bedeutendeEthnologe Bronislav Malinowski mit Die Kunst der Magie und die Machtdes Glaubens" von 1925 zu Wort. Der deutsche Religionshistoriker AlfredBertholet hat sich auf Grund vieler Vorarbeiten 1926/27 über Das Wesender Magie" ausgesprochen. Ihm erscheint der Artikel ,, Das Wesen der Religionund das Wesen der Magie" von Karl Zeininger von 1929 zugeordnet. Dannbetritt ein Jahrzehnt später der bedeutende Ethnologe Alfred Vierkandt mitseiner umfangreichen ,, Entwicklungspsychologischen Theorie der Zauberei" 1937die Szene. Der Ethnologe Südamerikas Konrad Theodor Preuß steuert 1938/39,, Das Irrationale in der Magie bei.

Das Jahrzehnt des zweiten Weltkrieges bleibt ausgespart. Dann versuchteWilly Hellpach nicht unbedingt kompetent 1947 über ,, Mächte und Pflichten"zu handeln. Schon 1949 schrieb Claude Lévi- Strauß seine Beobachtungenüber den Zauberer und seine Magie nieder, aus denen man vielleicht für dieBeurteilungen von Gauklern oder auch von Politikern mehr lernen kann als überdie Magie, von der bisher die Rede war. Vollends an ein neues Ufer führt 1950Ad. E. Jensen mit Gibt es Zauberhandlungen, der nach seinenBeobachtungen auf Westceram zu der Folgerung kommt, daß man davoneigentlich nicht reden könne, wenigstens nicht im Sinne der Zaubertheorie". Die

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