Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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Zustände in allen Staaten des pannonischen Raumes so grundlegend geänderthaben, daß ein direkter Vergleich der zwischenvolklichen Beziehungen in der Zeitvor dem zweiten Weltkrieg und der Zeit um 1970 wenig Sinn hat.

Wie kann man aus dem Liedbestand in einem Dorf in Ungarn( Mözs) aufdie volkskundliche Charakteristik der Donauschwaben schließen, zumal der Lied-bestand aus handschriftlichen Liederbüchern aus dem neuen Wohnort derUmsiedler in Sachsen und brieflichen Mitteilungen gewonnen wurde?

Lassen sich allgemeingültige Schlüsse ziehen, wenn man einen Mann mit,, liberalisierter Persönlichkeit als Sprecher der donauschwäbischen Volksgruppevorstellt oder wenn man ein mehrsprachiges Dorf im so dicht besiedeltenrumänischen Banat untersucht?

Wie wohltuend und überzeugend sticht der Beitrag von Nicolae Dunare undLuise Treiber- Netoliczka über, Rumänische, sächsische und ungarische Beziehun-gen auf dem Gebiet der Volkskunde ab, der sich auf Untersuchungen in zehn,, ethnografischen Zonen Siebenbürgens mit ungefähr 900 Ortschaften gründet.

Es ist schade, daß nicht alle Artikel des Buches die gleiche Beweiskraft besit-zen, sondern manche trotz einiger beachtenswerter Gedanken durch ihre einseitigeund voreingenommene Betrachtungsweise den objektiven Tatsachen nicht gerecht

werden.

Karl Horak

Lexikon des Mittelalters. Erster Band, 4. und 5. Lieferung( Spalte 577-1024).München und Zürich 1979, Artemis Verlag.

Das großangelegte Werk wächst bedächtig. Man steht auch mit der 5. Liefe-rung noch im Buchstaben A, die 4. Lieferung reicht nämlich von Anchialos bisApotheker, die 5. von Apotheose bis Arques. Diese Stichworte allein genügenvielleicht schon, um die starke Verbindung des Mittelalters mit der Antike zukennzeichnen, wie sie hier immer wieder vorgeführt werden muß. An denLieferungen bestechen wie immer die großen Übersichtsartikel wie etwa ,, Araber"oder ,, Armenien, wo man umfangreiche, abseitsliegende Gebiete knapp, abergründlich dargeboten findet. Sonst sind es beispielsweise die Heiligen- Artikel, dieman immer wieder gern heranziehen wird. Nur aus der Fülle der anderen Artikelseien hier Stichworte herausgegriffen wie Aquamanile, Arbeit, besonders: Arbeits-bilder, Arcanum, Architektursymbolik, Aristoteles- Bildzeugnisse( besonders fürdie Schwankforschung von Bedeutung), Arma Christi( noch immer auf RudolfBerliner beruhend), Armarium( wohl allzu kurz), Arme Seelen, und die dazuge-hörige Bruderschaft. Da haben sich vielfach Kunsthistoriker, Theologen undVolkskundler die Artikel aufgeteilt, und wenn man manchmal etwas kritischerzusieht, möchte man meinen, daß noch mehr Volkskundler hätten Teilartikelbeitragen können.- Aber die Leistung des Lexikons ist so schon bewundernswert,es ist ersichtlich, daß die Redaktion sich bemüht, die einzelnen Artikel weiterausgreifen zu lassen, als es die bisherige fachlich eingeengte Literatur tun konnte.Leopold Schmidt

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