Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
Einzelbild herunterladen
 

Kurze Anmerkungen( 280-289) sowie ein kleines Literaturverzeichnis( 290 f.) und ein Typen- und Motivregister( 292 f.) runden die neuerliche Leistungdes unermüdlichen Herausgebers und Forschers, der sich so sehr um dieVolksliteratur des Europäischen Südens in oraler und schriftlicher Tradierungverdient gemacht hat, ab.

Walter Puchner

Marianne Klaar, Die Reise im goldenen Schiff. Märchen vonägäischen Inseln. Im Dodekanes gesammelt, aus dem Neugriechischenübersetzt und herausgegeben von-. Kassel, Erich- Röth- Verlag 1977( ,, DasGesicht der Völker. Dokumentation des Märchens. Hg. v. Dieter Röth, Bd.46). 207 Seiten.

Die neue Märchensammlung von Frau Marianne Klaar, die sich wie schon diefrüheren auch durchwegs auf Feldforschung stützt und nun in der von Dieter Röthherausgegebenen Reihe erscheint, stammt von den Inseln der Dodekanes, einMärchenraum, der durch besonders breit ausmalende und detailfreudige Varian-tenbildungen gekennzeichnet ist, und umfaßt insgesamt 20 Beispiele in deutscherÜbersetzung. In einer kleinen Einleitung( S. 5-20) weist die Verf. in gepflegterProsa auf die näheren Umstände der Erfassung ihrer Kollektion, auf Schwierig-keiten der Feldforschung, des Vertrauen- Gewinnens der Gewährsleute sowie aufbesondere Charakteristika der einzelnen Inseln hin. Wie schon in früherenArbeiten deutlich wurde, sind in ihrer Arbeitsmotivation starke Akzente von Zivi-lisationssättigung eingebettet, die sie gern zu den vielmonatigen Aufenthalten aufden einzelnen Inseln veranlaßt sowie zu einem sehr persönlichen, langsamen undeinfühlsamen Kollektionsstil, den sonst nur noch die kulturanthropologischen Fall-studien anwenden. Die Ausgedehntheit ihrer Aufenthalte lassen es docherstaunlich erscheinen, daß diese Feldbeobachtungen nicht größere Tiefenschärfeannehmen, nicht mehr Hintergrund bieten, sondern trotz allem vertraulichenZusammenleben doch in der gewissen Distanz der in der neugriechischen Volks-kultur so tief verankerten ehrenvollen ,, Xenos"-Rolle verbleiben. Hier fällt freilichdie doppelte Xenos- Rolle, die des Ortsfremden und die des Sprachfremden, auchdoppelt ins Gewicht. Aber vielleicht verdichten sich diese unschätzbarenErfahrungen noch einmal zu jenem ausführlichen Bericht über diese jahrelangenSymbiosen in verschiedenen Mikrogemeinschaften der neugriechischen Volks-kultur, Erfahrungen, die wohl den Neid so manchen angelsächsischen Kultur-anthropologen erregen.

Der Hauptteil des Bändchens( S. 21-185) ist den Texten der Märchengewidmet, die in wohlklingende deutsche Prosa übersetzt sind. Freilich hätte manan manchen Stellen gerne den Urtext zur Kontrolle. So heißt es da auf S. 135:,, Los Mari, steh auf!", was nicht eine Kurzform von Maria ist, sondern mitSicherheit das etwas beleidigende ,, mori, auf das die Verf. selbst auf S. 18 sogenau eingeht. Oder auf S. 51: ,, Hier drin ist Vermögen, ist Leben, hier drin istGold"; in einer Fußnote zum Ausdruck Leben( S. 189, Anm. 5) gibt die Verf.an, daß in Griechenland manchmal für Vermögen und Leben" das gleicheWort gebraucht wird, was nicht ganz stimmt, denn bíos( Leben) und biós

56

56