Felix Karlinger, Märchen griechischer Inseln und Märchen ausMalta. Herausgegeben und übersetzt. Düsseldorf/ Köln, Diederichs 1979( Die Märchen der Weltliteratur. Nr.) 296 S.
Nach seinem Band„ Inselmärchen des Mittelmeers"( Düsseldorf/ Köln 1962)legt der Verf. einen weiteren Märchenband aus dem mediterranen Raum vor, derinsgesamt 66 Märchen aus der gesamten ostmediterranen Inselwelt umfaßt,geordnet in einer ost- westlichen Reihenfolge: Zypern( 6), Rhodos( 4), Karpathos( 4), Chalkis( 1). Kos( 1), Lipsos( 1), Patmos( 2), Samos( 1). Lesbos( 4), Thasos( 1), Samothrake( 1), Skyros( 1), Euböa( 2), Andros( 1), Syros( 1), Kythnos( 1),Naxos( 1), Santorin( 2), Kreta( 6), Kythera( 1), Zante( 2), Kephallonia( 1), Korfu( 3), Malta( 18). Die Übersetzungen sind inedierten Aufzeichnungen von MarianneKlaar und Felix Karlinger selbst entnommen, bzw. den veröffentlichten Sammlun-gen von Chiarini( 1), Karlinger( 2), Kretschmer( 3), Megas( 4), Levkopoli( 5), diemaltesischen aus Ilg( 6) und Stumme( 7). Eine Sammlung Seller- Dillschopp, derdie Nr. 8, 18, 27 und 44 entstammen, die offenbar aus deutschen Übersetzungenbereits edierter griechischen Märchenvarianten besteht, ist im Literaturverzeichnisnicht aufgeschlüsselt und trotz aller Nachforschungen in der Fachwelt auch nichtbekannt. Die geographisch ausgewogene Streuung der Beispiele gibt einenEindruck von Lebendigkeit und Umfang der ostmediterranen Märchenwelt. Ineinem kurzen Nachwort( 269-278) weist der Verf. auf die Drehscheibenfunktiondieser Zonen zwischen Ost und West im Laufe ihrer wechselvollen Geschichte hin,die sich verschiedentlich auch in den Märchentraditionen niederschlägt. Interessantist der Hinweis auf die mögliche Vermittlerrolle von Giambattista Basile, dessenKreta- Aufenthalt in venezianischen Diensten sich stofflich im„ Pentamerone"niedergeschlagen haben soll. Die Traditionsverflechtungen zwischen Ost und Westauf dem Sektor der oralen Überlieferung scheinen tatsächlich überaus dicht. Dazuein Beispiel: Nr. 18 der Sammlung, Ferendinos im gläsernen Turm( AT 313C)erscheint im„ Pentamerone" als 9. Novelle des dritten Tages(„ Rosella“) undfindet sich in über 100 Varianten in der griechischen Inselwelt, davon allein 30 aufKreta. Basiles Bearbeitung des Stoffes scheint aber auf eine Passage aus dem,, Mambriano" des Cieco von Ferrara( ca. 1490, c. XXI, 31- c. XXIII, 6) zurück-zugehen, und wurde schon vor Basile oder gleichzeitig mit ihm bearbeitet: im, Galateo Español“ von Gracián Dantisco( Madrid 1599) und in den„ DucentoNovelle" von Celio Malespini( Venedig 1609). Den Ost- West- Einflüssen sind hierwahrscheinlich West- Ost- Einflüsse entgegenzusetzen.
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1) Pietro Chiarini, Costumi, Usi, Fiabe delle Isole dell'Egeo. Roma s. a.2) Felix Karlinger, Inselmärchen des Mittelmeeres. Düsseldorf/ Köln
1962.
3) Paul Kretschmer, Neugriechische Märchen. Jena 1917.
4) Georgios Megas, Griechische Volksmärchen. Düsseldorf/ Köln 1965.Ders., Begegnung der Völker im Märchen: Griechenland- Deutschland.( Bd. 3). Münster 1968.
5) Jorge Levkopoli, Cuentos de las islas de Grecia. C. d. Bolivar 1945.Berta Ilg, Maltesische Märchen und Schwänke. 2 Bde. Leipzig 1906/07.Hans Stumme, Maltesische Märchen. 2 Bde. Leipzig 1904.
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