Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
Einzelbild herunterladen
 

eventuell auch eine Karte. Das wäre alles kein Luxus gewesen und hätte demBenützer von heute wesentlich geholfen. Nach achtzig Jahren doch kein Luxus,genauer nach 85, denn ,, der Deininger" ist ja nicht, wie es im Impressum heißt,,, um 1900 erschienen, sondern 1894. Manchmal, denkt der Rezensent, solltendie Nachdruck- Verleger doch bei den Fachleuten anfragen, was man bei ihren ansich durchaus wertvollen Verlagserzeugnissen eigentlich noch besser machenkönnte. Aber sie tun es nicht, sie fragen nicht und legen offenbar auf eine Unter-stützung durch das Fach keinen besonderen Wert. Eigentlich schade, und nichtganz verständlich.

Leopold Schmidt

Walter Deutsch, Das alpenländische Liederbuch. Scherenschnittevon Helga Lauth. Graphische Gestaltung von Haimo Lauth.265 Seiten. Wien 1979, Verlag Kremayr& Scheriau. S 232,-.

Ein feinsinniger Kenner und Lehrer des Volksliedes hat hier einen großenQuerschnitt erarbeitet, eine Sammlung von sangbaren Liedern, die imwesentlichen den geläufigen Liedschatz der letzten zwei Jahrhunderte repräsentie-ren, in ihrem Weiterleben, auch in ihrem ,, Zweiten Dasein jedoch weitgehendlebendig erhalten wurden. 192 Lieder, das ergibt eine stattliche Schar, die auchverständig aufgegliedert erscheint: I. Jahreszeiten- und Ansingelieder. II. Liedervom Bauernleben. III. Almlieder und Jodler. IV. Standeslieder. V. Von der Liebe.VI. Tanzlieder, Tänze und Gstanzln. VII. Scherz- und Spottlieder. VIII. Liederzum Weihnachtsfestkreis. Schon diese Gliederung zeigt, daß man hier die amehesten lebendig gebliebenen Lieder an der richtigen Stelle suchen und findenwird. Also bei den Jahreszeitenliedern etwa 13,, Is wohl eine schöne Zeit ausKärnten; bei den Bauernliedern 25,, Was braucht ma auf an Bauernhof ausNiederösterreich; bei den Almliedern 64 Der Summer is auẞi" aus derObersteiermark; bei den Standesliedern 95,, Der Postknecht von Steyr aus Ober-österreich, bei den Liebesliedern 110 Wann du durchgehst durchs Tal" ausKärnten, oder, um Georg Koteks liebstes Lied noch einmal zu zitieren, 118,, O duschiane, süaße Nachtigall aus Tirol, und längst für alle Alpenländer das so ganzbesondere 127,, Es war amal an Abend spat". Bei den Tanzliedern spielt Wien mit135,, I bitt, Herr Hauptmann, bitt recht schön herein. Bei den Spottliedern trifftman 166,, Wia machens denn die Maurer?" als Aufzeichnung aus dem Eisacktal.Und bei den Weihnachtsliedern fehlt nicht 185,, Es hat sich halt eröffnet", aus demTiroler Oberinntal.

Kurz, man schlägt das reichhaltige Werk, das auch sehr schön undgeschmackvoll mit sinnvollen Scherenschnitten ausgestattet ist, gern auf, und wirdmeist finden, was man sucht, und nur selten etwa wirklich Wichtiges vermissen.Die Lieder aus der Schweiz mag man ein bißchen als Zugabe betrachten; sie sinddoch nicht gemeinalpenländisch, wie man dem Buchtitel nach vielleicht annehmenkönnte. Jedem Lied ist der Quellennachweis beigegeben, wobei es sich freilichmeist nur um eine Quelle handeln kann, die sich dann oft als später Nachdruck vielälterer Aufzeichnungen herausstellt. Aber das hat mit dem Liedleben der letztenJahrzehnte, mit der Singbewegung usw. zu tun, und man mag bedenken, daß

47