Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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Helmut Prasch sen. und Helmut Prasch jun.:

Freilichtmuseum

Apriacher Stockmühlen. Hrsg. v. Verein Apriacher Stockmüh-len. O. O. Spittal a. d. Drau 1979. Selbstverlag. 45 S., 16 Abb.

Im 1500 m hoch gelegenen Kärntner Dorf Apriach, Gde. Heiligenblut, liegenan einem im steilen Hang künstlich angelegten lärchenen Gerinne( ,, Nürschen")17 Stock- und Radmühlen hinter- und übereinander. Eine so große Ansammlungvon derartigen Mühlen ist keine Seltenheit. Wir finden sie auch anderswo. DerRezensent ist einer solchen Mühlengruppe erst 1978 in Südtirol oberhalb Spingesim Pustertal und in Jugoslawien in der Nähe von Jajce in Bosnien begegnet. ImGegensatz zu den Radmühlen werden die Stockmühlen nicht durch ein Mühlrad,sondern durch einen mit Flottern versehenen Radstock( ,, Wellbaum) angetrieben,dessen Drehbewegung auf den Mühlstein übertragen wird. In ihnen wurdenGetreide ,,, Kranewitt( Wacholder), Taxe"( Fichtenäste), Bohnenstroh undEschenlaub gemahlen. In dem vorliegenden sehr informativen kleinen Büchleinwerden die Technik der Stockmühlen, das Anwerfen des Mahlgangs und der Mahl-vorgang im einzelnen geschildert. Daneben behandeln die Autoren in einemExkurs die alte Kärntner Holzkultur, hauptsächlich hölzerne Werkzeuge undGeräte. Dabei wird auch auf die zweckgemäße Verwendung der verschiedenenHolzarten eingegangen. So erfahren wir, daß Rauchhüte, Holznägel, Fußböden,Mühlspindeln und Spaltbretter für Dächer vom Holz der Lärche hergestelltwurden, Sensenwarben vom Ahorn, Wehrschläge von der Tanne, Holz-schlösser, Webstuhlteile, Keile, Riegel und Türgriffe von der Buche, Eggen-zähne und Besenruten von der Birke, Balken, Sparren, Bänke, Stühle,Schlittenkufen und Zäune von der Fichte, Klanginstrumente von der Hasel-fichte, Schwegeln von der Eibe, Kasten, Bettgestelle und Wiegen vonder Zirbe, Truhen von der Föhre, Tischblätter von der Kirsche,Webstühle von der Linde, Spulenöhrln vom Holunder, Schifferln von derZwetschke, Kumpfe und Alphörner von der Erle, Barren von derPappel, Eisstöcke von der Birne, Radnaben und Speichen von der Ulme,Krickelschilder vom Wacholder, Rechenzähne, Hefte und Stiele von Ber-beritze und Akazie, Hobelhölzer vom Apfelbaum, Skier und Rodelnvon der Esche sowie Berg- und Skistöcke von der Haselnuẞ.

Anlaß für die Veröffentlichung ist die Gründung eines Vereins zum ,, Schutzder Apriacher Stockmühlen, dem es zu danken ist, daß acht dieserhervorragenden Zeugen der Kärntner Holzbaukultur wieder instand gesetzt und anOrt und Stelle als Ensemble erhalten werden können, ohne daß an den Eigen-tumsverhältnissen der Mühlen gerüttelt wird. Darüber hinaus ist vorgesehen, dasInnere der einzelnen Mühlengebäude museal zu nutzen, indem Schaustücke dermit der Müllerei verbundenen Handwerksberufe und Arbeiten( Zimmerer,Mühlenbauer, Steinmetz, Weber, Faßbinder, Wagner und Drechsler; Brotbacken,Hausgebrauch, Hausrat) ausgestellt werden. Wieder einmal ist es Österreich, daseinen nachahmenswerten Weg aufzeigt, gefährdete Denkmäler vor dem Verfall zuretten und für künftige Generationen zu bewahren. Die Apriacher Stockmühlensollen nicht nur malerische Motive für Fotofreunde( vgl. Otto Swoboda, Alte

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