Das Niederösterreichische Freilichtmuseum in Haag
Nach dem Ausbau des Mostviertelmuseums in Haag- es wurde 1968 eröffnet- befaßte sich die Stadtgemeinde Haag mit bäuerlichen Objekten aus früherenZeiten.
Als erhaltungswürdig erschienen ihr vorerst die nur vereinzelt mehr anzu-treffenden Speicherbauten in Blockbauweise aus dem 17. und 18. Jhdt. Es handeltsich hier um ehemalige Getreidekästen- als ,, Troadkast'n" oder auch ,, Feld-kasten" bezeichnet-, die etwas abseits vom bäuerlichen Hauptgebäude situiertwaren, sie dienten, wie der Name sagt, für die Lagerung des Getreides.
Die ,, Troadkästen“ sind fensterlose Objekte, die lediglich für die Belüftungeinige kleine, vergitterte( Drahtnetze) Öffnungen aufweisen. Die Blockwand-balken bestehen aus gehackten Vierkanthölzern und liegen bereits fugenlos auf-einander.
Weil diese Speicherbauwerke, die einen beachtlichen kulturgeschichtlichenWert besitzen, im Verschwinden sind, wurde die Stadt Haag durch das Amt der NO.Landesregierung( LA III/ 2, Museumsrat Dr. W. Galler) und durch Persönlich-keiten des NÖ. Gebietsbauamtes St. Pölten für die weitere Sicherung solcherObjekte animiert.
1972 befaßte man sich ernstlich mit dem Erwerb eines derartigen Objektes.Der eigentliche Aufbau begann wohl erst im Jahre 1975 mit dem Troadkasten ausErtl/ Peilstein. Ihm folgte dann eine zweite Speicherbautype aus Kürnberg( Brief-berg) und der dritte Speicher kam von Markt Aschbach( Windfeld).
Das große Verständnis der NÖ. Landesregierung und des Gemeinderates derStadt Haag für diese Objekte förderten den weiteren Ausbau des Freilicht-
museums.
Eine Hausmühle aus dem Jahre 1848 samt Knochenstampfe war eine echteBereicherung. Diese Mühlen dienten der Getreidemahlung. Ende des vergangenenJahrhunderts traf man hierzulande selbst an kleinen Bächen oft 10 bis 20 ähnlicheHausmühlen an. Landauf und landab hörte man das Klappern dieser Mühlen. DerAntrieb des Mühlengetriebes erfolgte in der Regel durch ein oberschlächtigesWasserrad. Die im Freilichtmuseum aufgestellte Hausmühle samt Knochenstampfewurde aus drei verschiedenen, gleichartigen Mühlenanlagen zusammengetragenes war keine einzige vollständige Mühle mehr anzutreffen- und stellt nun einekomplett betriebsfertige Anlage dar. Sie ist ein Dokument, wie der bäuerlicheMensch in einfacher Weise die Wasserkraft auszunützen verstand. Der Elektro-motor brachte dann diese Werke zum Stillstand.
Die vor dem Eingang zum NÖ. Freilichtmuseum stehende Doppeldruck-baumpresse, auch Mantelpresse genannt, stammt aus 1864, ist verziert,bemalt und mit Sprüchen versehen, weist auf die Bedeutung hin, die das Most-machen unserem Gebiet einbrachte. Diesem blühenden Wirtschaftszweig ver-dankt unser Landesteil seinen Namen„ Mostviertel“. So war es sinnvoll, einemächtige und zugleich mit reicher Zier versehene Presse samt Birnmühle( ,, Stein-reibm") mit Mostfaß beim Eingang des Freilichtmuseums aufzubauen.
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