Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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Herzen mit drei Nägeln und desgleichen eingeschnitten zeigt. Heili-genbilder hängen an ihrem Stamme und unter ihrem Laubdach erhebtsich ein mächtiger Reisichthaufen ,, beim toten Mann'. Jeder Vorüber-gehende legt einen Zweig hinzu. Die Zweige liegen fast sorgsam ge-schichtet, alle mit der Spitze in gleicher Richtung; man findet sie vomfrisch gepflückten bis zum fast vermoderten Rest. Fragt man nach,warum dieselben hingelegt wurden und werden, so erfährt man, es seiein unheimlicher, ein, entrischer Ort und, das sei guat dagegen, dasheißt, es schütze gegen die bösen Geister, die dort hausen. Zum selbenZweck zieht jeder Vorübergehende an dem Glockenstrick derKapelle, denn, Glockenton hält böse Geister ab und Gespenster allerArt werden durch Läuten vertrieben werden', wie Paul Sartoriausführt." Und Frau Andree- Eysn fügt im Geist ihrer Zeit, die ebenauch die Zeit ihres Gemahls Richard Andree war, an, daß ähnlicheBräuche bei vielen Völkern üblich seien, mit Beispielen aus allerWelt.')

Die knappe, zur Interpretation neigende Schilderung ist nachanderen Quellen von Gustav Gugitz im Sinn der Wallfahrtsvolkskundebestätigt worden. Die Kapelle bei Oberbergern sei 1803 erbaut wor-den, die Buche stehe etwa zehn Minuten davon entfernt im Waldgegen Oberwölbling zu, und die Legende berichte von Räuberbandenzu Beginn des 17. Jahrhunderts, denen die Ermordung des Mannes imJahr 1603 zur Last gelegt wurde. Die Frau habe gebeten, erst im An-blick von Maria Langegg getötet zu werden, wie dies dann auch beieinem großen Eichenbaum geschehen sei. Es war ein Bildbaum, derspäter gefällt und durch die Kapelle ersetzt worden sei. Das Anhäufender Zweige an der Stelle, wo die beiden. Toten liegen sollen, ist weiter-hin geläufig geblieben.³)

Da kristallisiert sich also eine Legende heraus, die, ganz abge-sehen von ihrem möglichen Wirklichkeitsgehalt, von dem Glauben er-zählt, daß Wallfahrer nicht früher sterben wollten, bis sie die ange-strebte Gnadenstätte wenigstens gesehen hätten. Das sind bekannteZüge der Wallfahrerlegende, auch an anderen Wallfahrtswegen be-zeugt, wie auch die typischen Geländebezeichnungen Toter Mannund ,, Totes Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib", beispielsweise vom Wallfahrtsweg nach Maria-zell geläufig.) Anders steht es mit den Hügeln im Wald, welche die

7) Marie Eysn, Reisichthäufung in Nieder- Österreich( Zeitschrift desVereins für Volkskunde, Bd. VIII, Berlin 1898, S. 455 f.)

8) Gugitz, wie oben, Bd. 2, S. 137.

9) Franz Brauner, Steirische Heimathefte. Was die Heimat erzählt. H. 3:Bruck und Umgebung, Mürztal und Hochschwabgebiet. Graz 1950, S. 100f.,Nr. 46.

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