Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
Einzelbild herunterladen
 

Sagen und Legenden im Dunkelsteinerwald

Von Leopold Schmidt

,, Der Wald steht schwarz und schweiget. man bekommt denVers des alten Matthias Claudius nicht aus dem Gehör, solange manauf der Westbahn oder auch auf der Straße so in der Höhe von Prin-zersdorf bis nach Melk hin fährt, und dauernd diesen dunklen Wald-streifen zu einer Hand sieht, im Norden des fruchtbaren Ackerlandes.Dieser Wald, der da schwarz steht und schweiget, das ist der Dunkel-steinerwald, das kleine in sich sehr geschlossene Waldland südlich desStromes, mit dem es durch alle seine nach dem Norden fließendenBäche verbunden ist. Eine Zeitlang sieht man die lichten Umrisse vonSchloß Hohenegg, und ahnt, daß dieser Dunkelsteinerwald doch inirgendeiner Form besiedelt sein muß. Alles weitere erfährt man nur,wenn man das waldige Bergland durchfährt und durchwandert, undsich darüber landeskundlich, kulturgeschichtlich zu unterrichtentrachtet.

Das ist nicht ganz einfach, denn das vom Verkehr abgelegeneBergland hat nicht viel an Literatur aufzuweisen. Und gar wenn manes volkskundlich- kulturhistorisch zu verstehen trachtet, schrumpft diedoch vorhandene Literatur auf ein Minimum zusammen. Eigentlich istim 19. und im 20. Jahrhundert nur jedes halbe Jahrhundert, alle fünfzigJahre ungefähr, etwas erschienen, was unsere Kenntnis weitergeför-dert hat. Man kann da etwa mit Johann Frast beginnen, der 1827 denBand der Kirchlichen Topographie für das Dekanat St. Pölten heraus-gebracht hat, in dem wenigstens über die Kirchen des Dunkelsteiner-wald einiges steht ¹). Ein halbes Jahrhundert später, im Zeitalter vonLiberalismus und Nationalismus, fern der alten Kirche, gelang einem

¹) Johann Frast, Das Dekanat St. Pölten(= Kirchliche Topographie desErzherzogtums Österreich unter der Enns, I. Abt., 7. Bd.) Wien 1827.

1