Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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zeichnis beigegeben, und einen sehr nützlichen ,, Sachweiser". Eine Quellenarbeitalso, wie man sie immer wieder sehr begrüßen wird.

Leopold Schmidt

Josef Schepers, Das Bauernhaus in Nordwestdeutschland.( Neu-druck der Dissertation des Verfassers, die als Heft 7 der Schriften der Volks-kundlichen Kommission im Provinzialinstitut für westfäl. Landes- und Volks-kunde, hrsg. von Jost Trier und Karl Schulte Kemminghausen, 1943 in derAschendorffschen Verlagsbuchhandlung, Münster i. W., erschien.) Bielefeld-Küster- Pressedruck 1978, 250 Seiten, 137 Fig. auf 22 Tafeln( Zeichnungen),7 Karten, 86 Abbildungen( Fotos).

Gerüst und Gefüge des Hauses sind nicht nur bei den Ständerbauten im nörd-lichen Mittel- und Westeuropoa am sichersten faßbar, sie lassen in ihrenWandlungen auch die wichtigsten Änderungen des Hauses erkennen. In der Tatwurden sie mit dem ersten Erscheinen dieses Buches zu einem Ausgangspunkt in derdeutschen Hausforschung, in der das Konstruktive, die Gerüst- und Gefügefor-schung einen neuen und entscheidenden Stellenwert erhielten. Schepers' Disser-tation wurde bei Jost Trier in Münster 1937 abgeschlossen. Sie fand jedoch erst 1943Aufnahme in die Schriften der Volkskundlichen Kommission für Westfalen underlitt ein typisches Kriegsschicksal: Die Druckerei wurde kurz vor Auslieferung desWerkes im Bombenkrieg zerstört, nur etwa 300 Exemplare konnten( ohne Fototeil)gerettet werden. Es gibt daher nur sehr wenige Bibliotheken oder Institute und kaumPrivatpersonen, die dieses grundlegende Buch bisher besaßen. Als einer, der vor fast40 Jahren das seltene Glück hatte, es in vielen Nächten als Soldat auf Funkwacheexzerpieren zu dürfen, und in der Kenntnis der bedeutenden Anregungen undKlärungen, die davon ausgegangen sind, darf ich meiner Genugtuung und derbegründeten Freude darüber Ausdruck geben, daß nun dieses grundlegendeLehrbuch moderner Hausforschung dank dem Verständnis und der Förderungseines Verlegers Alois Hüser, Bielefeld, wieder aufgelegt worden ist.

Schepers Buch war der erste Versuch ,,, systematisch und über größeren Raumhin, dabei zeitlich und räumlich fixierend, aufgrund genauer BestandsforschungHausgerüst- und Baugefügeforschung zu betreiben( S. 5). Der Verfasser verstehtunter dem Begriff des ,, Baugefüges" ,,... das Zusammenwirken aller Einzelteile imzweck- und sinnbestimmten Ganzen eines Bauwerkes" und er sieht dieses Gefügenicht zuletzt ,, in seiner Wechselwirkung mit der funktionalen, sozialen und sinntiefenOrdnung des Lebens, das sich in den durch solche Baugefüge ermöglichtenGehäusen abspielte"( ebda.). Was damit an erprobter und neu geschaffener Fach-terminologie festgelegt und durch abklärende und genauer zupackende Begriffs-bestimmung auch ganz allgemein vorgelegt wurde, gehört heute längst und weit überDeutschland hinaus zum selbstverständlichen Rüstzeug eines jeden, der sich mitHausbau und volkskundlicher Hausforschung beschäftigt. Josef Schepers hat denNeudruck seines Buches, das ähnlich wie Bruno Schier's Hauslandschaften undKulturbewegungen im östlichen Mitteleuropa"( Reichenberg 1932) nicht zuletzteiner historischen und grenzüberschreitenden Betrachtungsweise huldigt, nach dreiGrundsätzen redigiert: 1. Die wissenschaftlichen Aussagen und seine wissen-schaftliche Terminologie blieben als ,, ein Stück Wissenschaftsgeschichte unange-

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