werk 1967 neu gedruckt worden. Selbstverständlich hat es nach Young noch weitereFunde gegeben. Am bedeutendsten war wohl der des„, Tractus stellae" von Raab( Györ, Ungarn), den der um das Volksschauspiel hochverdiente P. Géza Karsai-Kurzweil 1943 veröffentlichte. Freilich in ungarischer Sprache und daher nurwenig beachtet.
Nach Jahrzehnten hat sich nun wieder ein ausdauernder Dissertant gefunden,der das ganze Material neu überblickte, anordnete, und die unbekannteren Texte,also vor allem das Spiel von Raab und das Officium von Besançon neu herausgab.Die methodisch sehr klare Arbeit umfaßt zunächst die sogenannten ,, liturgischen"Feiern und Spiele, dann die Dreikönigsspiele und-spielszenen aus deutschem undfranzösischem Sprachgebiet bis 1600, und behandelt schließlich die Abhängigkeitder volkssprachlichen Schauspiele von den traditionellen lateinischen ,, OfficiaStellae“. Ein Überblickskapitel beschäftigt sich schließlich mit den Motiven undStrukturen der Dreikönigsspiele und Dreikönigsszenen, wobei letztlich die„, Einheitin der Verschiedenheit“ dargetan wird. Dabei ergeben sich wertvolle Hinweise aufverschiedene Motive innerhalb der ,, Wunder bei der Geburt Christi". Besonders derAlterstausch zwischen dem jüngsten und dem ältesten König, der auf der Bühne( Erlauer Spiel usw.) durch den Tausch der Bärte dargetan wurde, wird eingehenduntersucht. Kunst- und Theater- Ikonographie haben da eindeutig neue über HugoKehrer( Die heiligen drei Könige in Literatur und Kunst, 2 Bde. Leipzig 1908/09)hinausführende Ergebnisse zu verzeichnen.
Das nur in sauberer Vervielfältigungstechnik hergestellte Buch bietet also mehr,als man für gewöhnlich von Dissertationen erwartet. Man kann es verstehen, daß sichder Verfasser fast acht Jahre mit dem Thema beschäftigt hat.
Leopold Schmidt
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Karl Bohnenberger, Volkstümliche Überlieferungen in Württem-berg. Glaube Brauch Heilkunde. Unter Mitwirkung von AdolfEberhardt, Heinrich Höhn und Rudolf Kapff bearbeitet(= Forschun-gen und Berichte zur Volkskunde in Baden- Württemberg, Bd. 5) Großoktav374 Seiten( von 333-394 Karten). Stuttgart 1980, Kommissionsverlag Mül-ler& Graff.
Die ungemein stoffreichen Aufzeichnungen Bohnenbergers und seiner Mit-arbeiter sind 1904 ff. in den„ Württembergerischen Jahrbüchern für Statistik undLandeskunde erschienen, und bisher konnte sich jedes Institut glücklich preisen, dasdurch irgendeinen Zufall darüber verfügte. Es war ein vorzüglicher Gedanke, dasstattliche Werk in einem Neudruck vorzulegen, was übrigens Helmut Dölkerschon 1961 einmal in die Wege geleitet hat, so daß die nunmehrige von IrmgardHampp vorgeleitete Ausgabe eigentlich schon die 3. des inhaltsreichen Werkes ist.Das von Heinz Schmitt bearbeitete Ortsregister begrüßt man dankbar. Auch dievielen beigegebenen alten Karten der württembergischen Oberämter sind selbstver-ständlich nützlich. Aber eigentlich hätte man doch ein Sachregister erwartet. Viel-leicht wären doch auch dafür noch ,, Lotto- Mittel" zur Verfügung gestanden. Die8 Farbtafeln, Farbbildlithographien nach Zeichnungen von Johann Baptist Pflug
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